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Posts Tagged ‘Neonazis’

Am 17. Januar mobilisierte die Stadt Magdeburg mit einer „Meile der Demokratie“ gegen den „Missbrauch“ des Gedenkens anlässlich der Bombardierung der Stadt durch die britische Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Die etwa 500 Nazis, die angeblich die Entweihung bewirkten, protestierten gegen die vermeintliche Schändung des Gedenkens durch die Stadt. Sie bezeichneten die Ehrerbietung, zu der sie nur sich als fähig erachten, als „gerechtes und ehrliches Gedenken für die Opfer“. Die Magdeburger widerlegten sie und zeigten, wie so ein völkischer Opferkult auszusehen hat. Sören Herbst, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der „Grünen“ im Stadtrat und Vorzeige-Antifaschist sprach auf der Bühne der Stadt dieser aus dem kollektiven Herzen. Er verkündete, was in Magdeburg jeder weiß, nämlich dass in der Bombennacht des 16. Januar 1945 aus England zurückkam, was von deutschem Boden seinen Ausgang genommen hatte: der Vernichtungskrieg also. Die angereisten Nazis, gegen die er sprach, trugen, worum sein Reden kreiste, auf ihren Transparenten: „Alliierter Bombenholocaust – doch wir vergessen nichts.“ So fand man dieselbe Betroffenheit auf beiden Seiten der Barrikade, welche Antifa und Zivilgesellschaft gemeinsam errichtet hatten, obwohl sie sich doch hassen. Das Schweigen der Lämmer vor der städtischen Bühne, als das Grauen der Bombennächte dort in Worten gemalt und dazu aufgerufen wurde, der „altehrwürdigen“ Stadt „auf ewig“ zu gedenken, war das gleiche wie jenes der braunen Kameraden, die ganz genauso deklamierten: „Wir werden niemals vergessen“.

Das wurden sie dann auch nicht. Zuerst war da eine Antifa, die in Stadtfeld ihrer Solidarität gegen Juden und andere Volksfeinde Ausdruck verlieh, als sie der Palästina-Fahne zujubelte, bevor sie sich als militanter Arm der Zivilgesellschaft dieser zugesellte. Mit einer solchen Speerspitze tat der in Aktion tretende Mob alles, um die Hoffnung der Nazis, nicht vergessen zu werden, in Erfüllung gehen zu lassen. Was in Magdeburg-Stadtfeld einige Nächte zuvor noch als Aufruf zum Nazischlachten plakatiert wurde, hieß jetzt „Augen auf gegen rechte Gewalt“. Diese Parole wurde dem braunen von jenem Opferkollektiv entgegengehalten, das offenbar von Blockwarten träumt und sich hinter das Transparent des „Bündnis gegen Rechts“ stellte. Die Nazis hielten der üblen Verleumdung, dass sie auf Gewalt aus seien, ein Angebot zum Frieden entgegen: „Die Mörder sind noch hier – raus mit den amerikanisch-britischen Besatzertruppen“ und schwiegen. Dies steigerte den Zorn des aufwartenden Mobs aus Stadträten, Heimatschützern und anderen Linken, ist diese Forderung doch ganz die ihre. Ist doch der deutsche Gram der Nazis kein anderer als jener der Besucher der „Meile der Demokratie“, als sie sich vom Stadtrat Jens Ansorge mit Hetzprosa gegen barbarische Briten, die Menschen in „lebendige Fackeln“ verwandeln, betören ließen; ist ihre Betroffenheit von etwas, von dem sie nicht betroffen sind, doch derselbe dumpfe Dusel wie jener, der Stadtrat Löhr entgegenschlug, als er von der „Niederlage“ faselte und davon, wie das, was da in Schutt und Asche gelegt wurde, als Phönix aus letzterer wieder aufstieg. Das Schlimme daran war, dass der Mann recht hatte. Gegen die Magdeburger Volksgemeinschaft vermochten offensichtlich nicht einmal die Bomben der Alliierten etwas auszurichten.

Um das Rathaus herum fassten sich in einem infantilen Schutzbedürfnis vor einer halluzinierten, von außen kommenden Gefahr der Bürgermeister, die Stadträte und andere Personen des öffentlichen Lebens an den Händen, um ihr Heiligtum in ohnmächtigem Ringelrein wie vor einer hereinbrechenden Naturgewalt zu schützen. Und auch an anderen Orten lugte die Faszination des Katastrophischen hervor. Nahe der städtischen Bühne veranstalteten zwei sozialdemokratische Vereine einen Waffelstand für den darbenden Volksgenossen im Kampf um die Ehre der Stadt nach dem Vorbild nationalsozialistischer Suppenküchen. Die „Front Deutscher Äpfel“ stand mampfend in perfekter Mimikry daneben und fühlte sich sehr, sehr antifaschistisch.

Alles war bunt und nicht braun, und dafür wurde gesorgt. Falls jemand in den Verdacht geriet, nicht zuverlässig zum toleranten Opferdeutschen zu taugen, schlug die Elitetruppe der vereinten Schutz- und Trutzgemeinschaft, die Antifa, mit ganzer Härte zu. Unter wüsten Beschimpfungen gegen CDU-Mitglieder, die als „Rassisten“ und „Nazis“ verunglimpft wurden, rissen Antirassisten, nachdem sie im Namen der linken Mehrheit „verpisst Euch!“ gerufen hatten, an deren Stand die Auslagen herunter und demolierten ihn. Dort, wo „Vielfalt und Toleranz“ Ideologie sind, geht es gegen den, an dem das Unbehagen aufscheint, das diejenigen, die von archaischen Kulturen fasziniert sind, nicht kennen dürfen.

Gelauscht wurde am Abend, als man wieder unter sich war, den barbarischen Trommelklängen von Afrikanern, die sich auf der Bühne des evangelischen Kirchenkreises öffentlich auf ihre Wurzeln besannen. Auf der Bühne der Stadt wurde dagegen sehr laute und brutale Musik gespielt, um den anwohnenden Bürgern zu verdeutlichen, dass sie als Magdeburger tolerant zu sein haben.

Die Antifa war hinterher unzufrieden, weil die „Mehrheit“ zu Hause geblieben war. Sie wird erst dann Genugtuung empfinden, wenn der letzte Volksgenosse hinter dem Fernseher hervorgelockt wurde und sich die Einheitsfront zum Sturm gegen die braunen Sündenböcke formiert. Deren Vergehen besteht darin, jene Hetze als Hetze zu betreiben, die am 17. Januar von den städtischen Bühnen Magdeburgs als Prosa schallte.

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