Ende des vergangenen Jahres lud eine studentische Initiative zum Vortrag „Andere Sichtbarkeiten? Queering Hip-Hop zwischen Repräsentation und Aneignung“ an der Uni Halle ein. Die Referentin Katharina Morawek bewies an dem Abend, dass es im universitären Milieu nicht darum geht, die Wahrheit zu entdecken, sondern darum, ein wenig Diskurs zu spielen und zahllose Theorien ohne jeden Sinn und Verstand zu mixen, welche zu nichts anderem geeignet sind, als die Wahrheit vollends zu verschleiern. Diese Inhaltsleere gipfelte in der Aussage der Referentin, dass es gar nicht um „richtig“ oder „falsch“ gehe, sondern nur darum, was sich am Ende durchsetze. Was sie allerdings gedachte durchzusetzen, war bestenfalls ein schlechter Scherz.
Veranstaltet wurde besagter Vortrag von „Queer_einsteigen“. Einer jenen studentischen Verbindungen also, die bereits hinter Aftershaves und Sonnencremes Sexismus erkennen wollen. Im Hip-Hop hingegen, so wollte die Gastreferentin verdeutlichen, sei wohl weder Sexismus noch Homophobie zu entdecken. Es handele sich bei solchen Unterstellungen nämlich nur um ein „Bild“ bzw. eine „Folie“, wie schon dem Ankündigungstext zu entnehmen war. Um diese Behauptung nicht selbst zu widerlegen, musste die Referentin über die lange Liste homophober Hip-Hopper schweigen, die als das „Who’s Who“ des Raps gehandelt werden könnte. Stattdessen kramte sie einige der wenigen homosexuellen und „queeren“ Rapper heraus, die es tatsächlich gibt, die aber abgesehen von einer kleinen Community niemand kennt. Die Referentin konnte sogar auf eine einzige angeblich homosexuelle deutschsprachige Rapperin verweisen, womit sie einen besonders eindrucksvollen Beleg dafür lieferte, dass die „scheinbare[!] heterosexuelle Dominanz in der Hip-Hop-Kultur“ nur ein Hirngespinst sein könne.
Dass Hip-Hop trotzdem „immer wieder für seinen angeblich inhärenten Sexismus und seine Homophobie kritisiert“ wird, läge vor allem an den „weißen Medien“. Diese sehen in den Rappern nämlich lediglich „schwarze, heterosexuelle Körper“, wie es im üblen akademischen Jargon heißt, der den gesamten Vortrag durchzog. Erst diese Zuschreibung stempele die eigentlich unschuldigen Rapper als homophob ab. Einen Beleg dafür lieferte sie zwar nicht, dafür hatte sie nun aber einen Rassismusvorwurf zur Hand, mit dem sie jede Kritik an Raptexten abwehrte. Die Rapper auf der anderen Seite erstrahlten dadurch in noch hellerem Licht. Sie wurden im gesamten Vortrag lediglich als queer, als Opfer rassistischer Hetze oder beides präsentiert. Für die Referentin sind dies offensichtlich Eigenschaften, welche deren Träger per se als gut ausweisen und vor jedem Fehlverhalten schützen.
Aber warum sind denn Weiße nun solche Rassisten? „Die Matrix, die dieser Wahrnehmung zu Grunde liegt, ist eine des Weiß-Seins“, erklärt uns die Queerdenkerin. Ihr Verhalten läge also in der Hautfarbe begründet. Vor diesem Argument zeigt sich ihr Rassismusvorwurf gegen Weiße als blanke Projektion. Ist es doch gerade sie selbst, die im Geiste der aktuell um sich greifenden „Critical-Whiteness-Studies“ Menschen unterschiedlicher Hautpigmentierung spezielle Denkweisen andichtet.
Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass solcherlei rassentheoretische Überlegungen der Referentin um beide Ohren gehauen werden. Doch dazu sahen sich weder das anwesende Publikum, noch die Veranstalter veranlasst. Aber sie schwiegen nicht nur zum ordinären Rassismus, sondern bewiesen auch recht eindrücklich, dass ihnen die Opfer von Homophobie im Grunde scheißegal sind. Statt sich auf deren Seite zu stellen und die Dinge beim Namen zu nennen – nämlich, dass Hip-Hop zu einem großen Teil von homophoben Arschlöchern produziert wird, und zwar unabhängig von deren Hautfarbe – drehen sie den Spieß um und bezichtigen jene als Lügner und Rassisten, die mit gutem Recht keinen Bock mehr darauf haben, sich auf allen Kanälen die Beleidigungen wild gewordener Männerbanden gefallen zu lassen. (uci)
Bitte was seid Ihr? Die Schülerzeitungsausgabe der Bahamas? Was für ein grottenpeinlicher Text, aber eins müsst ihr noch erklären: Wie kommt es, dass die Veranstalter_innen zwar einerseits eine schon ins Absurde übertriebene Sexismuskritik betreiben, aber andererseits gerade von Euch Nachhilfe bei der Sichtbarmachung von Homophobie benötigen? Weil Ihr einfach die besten seid und die Weisheit, sorry, Wahrheit mit Löffeln gegessen habt?
“Nachhilfe” brauchen sie wohl gerade weil sie eine “ins absurde übertriebene Sexismusskritik” betreiben, die die Homophobie von Rappern hinter dem “rassistischen weißen Blick” Unsichtbar macht. Echt, es gibt Fragen, die könnte man sich selbst beantworten, würde man die Gedanken mal ordnen. Die Antwort steckt in der Frage ja drin…
Schade nur, dass uci vor lauter Wahrheit und Ordnung der Gedanken vergisst zwischen der Frage zu unterscheiden ob es homophobie HipHoper gibt und der, ob HipHop zwangsläufig homophob sein muss. Aber wer meint, bei Sexismuskritik ginge es um Sonnencreme, scheint eh eher dem Oberflächlichen zugeneigt zu sein.
Es reimt sich zwar nicht, aber der populäre Rapper aus Persien weiß genau, wovon er spricht. Hip Hop glorifiziert einen Kult von Männlichkeit, der aufgrund seines Anachronismus in sich selbst eine Lachnummer ist:
http://www.clipfish.de/video/1252619/keine-homosexualitaet-im-iran/
Ah, jetzt hab ich verstanden: HipHop ist also Homophobie + Reimen. Und ich dachte immer es geht dabei um Musik. Danke für die Erleuchtung!
@Anonymous: Ah, Homophie im Hip Hop ist also nur eine Einbildung von weißen, wahrscheinlich heterosexuellen Männern, die ihre tiefste eigene Abneigung gegen Homosexuelle auf die eigentlich antisexistischen Hip Hoper ala Bushido, Joe Rilla und wie sie nicht alle heissen projezieren und deren Metaphern einfach nicht verstehen. Danke für die tibetianische Erleuchtung ala Dalai Lama.
Vielleicht kannst du ja erklären warum in der breiten Masse vom Hip Hop Homophobie explizit in den Liedern vorkommt?
Du bist langweilig, Dattelmann
Danke Dattelmann, ich dachte schon ich hätte mich verlesen.
Bevor der_die Schreiber_in sich das nächste mal an eine Kritik setzt, sollte er_sie sich vielleicht mal Gedanken bezüglich der Logik der eigenen Argumentation machen. Das einzig Faszinierende an dieser Kritik ist, wie dermaßen falsch ein Vortrag verstanden werden kann. Da mag ich ja fast Mutwillen zur Fehldeutung unterstellen…
Mutwilllige Fehldeutung? In der BT? Glaubst Du etwa auch an die Schwerkraft?
Wenn der Hip Hop heute von heterosexuellen und oft homophoben und sexistischen Acts dominiert wird, bzw., um es anders zu sagen, der Rap-Diskurs hauptsächlich durch Äußerungen solcher Acts konstituiert wird, dann muss man das so sagen und kritisieren. Mit Folie oder Weiß-Sein oder Zuschreibungen hat das nichts zu tun, eher mit Critical-Whiteness-Pomo-Relativismus ohne Sinn und Verstand.
Was aber Ahmadinejad damit zu tun hat, ist mir allerdings schleierhaft, und das spricht zumindest für eine Bahamas-Schülerzeitungs-Leserschaft. Der Iran=Islam=an allem schuld-Reflex erklärt nämlich weder, warum Ahmadinejad in dem Video nicht rappt, noch, warum das iranische Regime Rapper und grundsätzlich die moderne Musikszene massiv verfolgt. Im Übrigen sind viele Rapper homophob, aber nicht alle Homophoben (z.B. Ahmadinejad) Rapper.
Und als letztes zum Thema grottenpeinlich: Das Sprachniveau des Textes fällt hinter das früherer Texte hier zurück, die dafür aber oft inhaltlich schwachsinnig waren.
“Stattdessen kramte sie einige der wenigen homosexuellen und „queeren“ Rapper heraus, die es tatsächlich gibt, die aber abgesehen von einer kleinen Community niemand kennt.” Es gibt nicht nur einige wenige, sondern inzwischen schon ziemlich viele queere Rapper_innen. Die kennt niemand, das stimmt. Genau das war Aussage der Referentin. Medial präsent und deswegen bekannt sind jene, die mit Sexismus um sich schleudern. In dem Vortrag ging es darum eine Auswahl von Queer-feministischem Hip Hop vorzustellen, nicht im Geringsten um die Verleumdnung der Existenz sexistischer Rapper. Mit ein bisschen mehr Recherchearbeit, was nach 9 Monaten wohl nicht zu viel verlangt sein kann, hättet ihr eine konstruktive Kritik formulieren können. Das hätte zu produktiven Diskussionen anregen können und hätte mich riesig gefreut.
http://queereinsteigen.wordpress.com/terminplan/morawek/
Du machst es dir ein wenig zu einfach. Die Referentin verleumdet tatsächlich Homophobie und Sexismus im HipHop nicht ausdrücklich. Doch schafft sie es nicht ein mal, das Kind beim Namen zu nennen und windet sich um dieses Thema, dass man ihre Gelenke knacken hört. Stattdessen spricht sie von erwähntem “Bild” und “Folie”, von “angeblicher Homophobie” und von “Vorwürfen” – erzeugt von weißen Medien und Mittelstandskids. Somit erschienen während dem gesamten Vortrag letztgenannte als jene, die ein bestimmtes Bild vom HipHop erzeugen und nicht die Rapper selbst.
Hätte sie lediglich ihr zweifelhaftes Hobby besprochen, nämlich angeblich queeren Rap zu hören, wäre der Vortrag einfach nur langweilig gewesen. Da sie jedoch krampfhaft versuchte, ihre Vorliebe mit den relativistischen Critical-Whiteness-Studies zu kombinieren, wurde es lächerlich und anpöbelnswert. Die “queeren” Rapper mussten letztlich dafür herhalten, wie friedlich und subversiv HipHop eigentlich sei.
für alle, die sich jenseits ideologisch aufgeladener weltbilder eine eigene meinung bilden wollen, gibt es hier den vortrag als mp3 zum nachhören:
http://queereinsteigen.wordpress.com/2010/11/05/714/
p.s.: wäre das nicht eigentlich auch die “journalistische” – ich unterstelle euch diesen anspruch mal ganz großzügig – pflicht der schreibenden gewesen, diesen zu verlinken? nur so bezüglich transparenz und glaubwürdigkeit des artikels…
Vielen Dank, endlich mal ein Beitrag mit INHALT!
Nur, eins darf mensch nicht erwarten, nämlich dass es in der BT um “Redlichkeit” oder gar “konstruktive Kritik” geht…
“Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass solcherlei rassentheoretische Überlegungen der Referentin um beide Ohren gehauen werden. Doch dazu sahen sich weder das anwesende Publikum, noch die Veranstalter veranlasst.”
ach, du warst gar nicht da?!
Der Text ist sehr schlüssig und leider habe ich mich bis hier runter durch die Kommentare gelesen, besser gesagt Pöbeleien und Leerformeln hauptsächlich von Anonymus, ohne auf Argumente zu treffen die sich mit dem Text auseinandersetzen. Tja du Depp, durchgefallen! Mit kraftmeierischem Macho-Internet-Gepose einen verquasten Queer – Vortrag verteidigen wollen, hast du sonst nichts zu tun es ist Sommer guck mal raus
na, wenn du sagst, der Text sei schlüssig, ist das natürlich ein Argument, das sich sehr gründlich mit dem Text auseinandersetzt
BTW: Anonymus ist der default nick für alle, die es nicht notwendig finden, sich hier zu registrieren. Also mehr als fraglich, ob es sich bei den ganzen Postings um eine Person handelt.
wer übrigens sehen will, wie von diesem revolverblatt “tatsachen” verdreht werden, klicke auf den nächsten artikel (“heydrich, händel, halloren”) und lese den kommentar darunter. wenn das die methoden hier sind, ist auch die “kritik” (eigentlich schon zu lächerlich das so zu nennen) zu diesem vortrag mehr als fragwürdig!
@kimkim
warum tobst du denn so herum? der autor/die autorin hat doch in dem artikel zu heydrich nichts falsches geschrieben. bei solchen vorwürfen wären belege eine sache der redlichkeit. auch der kommentar darunter widerlegt doch nichts von dem geschriebenen, sondern versucht lediglich, diesen unfug zu rechtfertigen.
der link zu der seite, den du dann gesetzt hast (und auf den den rechtfertigungskommentator aus guten gründen verzichtet hat), macht dann alles noch viel schlimmer, weil man den schwachsinn dann tatsächlich schwarz auf weiß vor sich hat.
@prinzenrolle: worum es doch bei beiden aritkeln und der kritik daran im kern geht, ist die glaubwürdigkeit und die möglichkeit für die lesenden, sich eine eigene meinung zu bilden. wenn du auf sonstige nachrichtenseiten, blogs etc. beiträge liest, hast du in der regel die möglichkeit, das beschriebene nachzuprüfen, indem diverse links zum thema gesetzt werden. das ist hier nicht der fall und das ist einer meiner hauptkritikpunkte. denn wird dies nicht getan, ist es den schreibenden viel eher möglich, zu spekulieren und zusammenhänge zu konstruieren, die gar nicht gegeben sind. wer sich nicht die mühe macht, selbst zu recherchieren, kriegt dann ein sehr einseitiges, verfälschtes bild. aber vermutlich soll es hier genau darum gehen und das finde ich schade.
aber was das hier insgesamt für eine seltsame veranstaltung ist, ist ja auch schon anderswo aufgefallen (und sicher nicht nur dort): http://critiqueaujourdhui.blogsport.de/2011/08/01/menschenverachtung-statt-gesellschaftskritik-die-bonjour-tristesse-12-ist-erschienen/ von daher kann wohl davon ausgegangen werden, dass es gar nicht um sachliche auseinandersetzung geht und alle bemühungen, darauf hinzuweisen und das einzufordern, vertane mühen sind… viel spaß noch weiterhin bei der selbstbeweihräucherung!
Hey kimkim. Nur zur Information: Dies ist die Internetpräsentation einer Printausgabe. Links sind da eher unüblich. Jedoch wurde in beiden Artikeln deutlich erklärt, worauf sich die Texte beziehen. Dementsprechend war es ein Leichtes für dich, die entsprechenden Quellen zu finden. Dein Kritikpunkt, dass die Quellenangabe nicht in Form eines Links geschah, wirkt daher etwas an den Haaren herbeigezogen.
Das einzige Ziel deiner Anmerkung war doch, irgendetwas gegen diesen Artikel vorzubringen, den du doch nicht zu kritisieren in der Lage bist. Stattdessen verlinkst du noch einen dümmlichen Blog, dessen großer Verdienst es ist, ebenfalls irgendetwas gegen die BT vorbringen zu müssen. Zur “sachlichen Auseinandersetzung” hast du jedenfalls nichts beizutragen. Es wäre deshalb wirklich sehr freundlich, wenn du in Zukunft deine Mühen anderweitig vertun könntest.
Praxistest: Fragt doch mal die Hiphopper einer Schule für Männer ohne Arbeitszukunft ob sie schwul sind (vll. noch bißchen provokativ “weil sie so aussähen…”). Am besten wenn diese in der Gruppe sind und nach “getanem” Lernen sich ein paar Bierchen reinpfeifen. Viel Vergnügen!
ps. wahrscheinlich sind Schüler anderer Schulen (sogenannte “Gymnasien”) nicht weniger homophob, doch wird aus bestimmten Gründen deren Antwort nicht so eindrucksvoll aussehen.
Immer diese homoerotischen Homophoben!