Der durchschnittliche Ostdeutsche hat’s gern gemütlich und bleibt am liebsten unter sich. Besonders in den Gegenden, in denen die Linkspartei erwiesenermaßen die meisten Wählerstimmen auf sich vereint, ist die Abwehr gegen Eindringlinge besonders ausgeprägt. Konkret: Dort ist es für Fremde, gleich welcher Art, besonders gefährlich. Als im Herbst der Familienzirkus „Happy“ den sich in der tiefsten Uckermark befindlichen Ort Milmersdorf ansteuerte, ahnte Familie Sperling wahrscheinlich nicht, auf was für ein Abenteuer sie sich da einließ. Dabei hätte sie es eigentlich wissen können. Die haushohe Übermacht in Erst- und Zweitstimme der Linkspartei bei den letzten Bundestagswahlen; die Lage im Niemandsland der Republik; und nicht zuletzt die recht bekannte Dokumentation „Herr Wichmann von der CDU“, die das nutzlos bleibende Bemühen eines CDU-Politikers im Landkreis Uckermark darstellt, um Wählerstimmen zu werben. All das, und die hochkonzentrierte Mischung aus bodenloser Dummheit, Lethargie und ostzonaler Gesinnung, die in der Dokumentation zu sehen ist, hätten ausreichend Hinweise geben können, diese Region weiträumig zu umgehen. Doch ein Zirkus kann sich sein Publikum nicht immer aussuchen. Am vom örtlichen Bürgermeister zugewiesenen Ort der Vorstellung rottete sich schon bald nach dem Aufbau ein wohl repräsentativer Durchschnitt der Milmersdorfer Bevölkerung zusammen, um die vier Kinder (zwischen acht und 16 Jahre alt) der Familie – die Erwachsenen befanden sich nicht im Ort – als „Zigeunerpack“, „asoziales Pack“, das „verschwinden“ solle, zu beschimpfen. Falls nicht, so wurde unmissverständlich dargelegt, werde man ihnen „die Zelte abfackeln“. Die etwa 20 Täter, zwischen 14 und 42 Jahre alt, warfen bei dem sich vom Nachmittag bis zum späten Abend hin ziehenden Angriff zahlreiche Steine in Richtung der vier Zirkuskinder und beschädigten mehrere Wohnwagen. Die Angegriffenen verschanzten sich daraufhin in einem der Zirkuswagen und informierten über Handy ihre Eltern. Die von diesen verständigte Polizei beendete Milmersdorfs erste Intifada umgehend und setzte elf der Täter vorübergehend fest. Die Familie verließ dann unter Polizeischutz noch am selben Abend den Ort, um nach Angaben der „Märkischen Oderzeitung“ (MOZ), in Oranienburg sowie Hennigsdorf, einige Kilometer südlich, erneut ihr Glück zu versuchen. Aber auch dort zeigte sich die Einwohnerschaft offenbar wenig erfreut über die Schausteller: Die Zirkuszwergziege Lola, eine der Hauptattraktionen, wurde in Hennigsdorf aus ihrem Gehege gestohlen und wenig später von einer Passantin angekettet auf dem Balkon einer Parterrewohnung eines Hauses gefunden. Die Marketing-Abteilung des Landkreises Uckermark wirbt unterdessen seit kurzem mit einem neuen Slogan: „…damit Sie die Uckermark noch lange in Erinnerung behalten!“ Man kann das nur als Drohung auffassen. (meh)