Eine Delegation der sachsen-anhaltischen Bereitschaftspolizei auf Westbesuch hinterließ letzten Sommer in Hamburg einen bleibenden Eindruck. Eigentlich in die Hansestadt beordert, um den dort ansässigen Gesetzeshütern bei einer linken Demonstration unter die Arme zu greifen, ließ es sich die Hundertschaft nicht nehmen, ein beliebtes Betätigungsfeld des „Krawalltouristen“, die Rede ist vom Saufen, auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Verlauf des besagten Abends zeigte, dass „Polizeigewalt“ – so der Gegenstand der Demonstration – sich nicht nur auf die selbsternannten „Kiezwärter“ der Roten Flora beschränkt, sondern auch nicht vor Menschen halt macht, die der Überzeugung sind, dass die fleischlose „Volxküche“ des linken Winterhilfswerks und die damit verbundene Genussentsagung nicht zwangsläufig zur Rettung der Welt beitragen.
Untergebracht wurden die Ordnungshüter in einer 4-Sterne-Nobelabsteige am Stadtrand, in der sie jedoch definitiv deklassiert wirkten: Wohl einer Überdosis weltoffener Metropolenluft ist der sich ereignende Rückfall der Wachtmeister in ihr traditionelles, provinzielles Urverhalten zu verdanken. Ihrer Contenance beraubt, beschlossen die Polizisten, den anderen Gästen zu demonstrieren, wie der gemeine Zoni und Hooligan, in oder außerhalb des Staatsdienstes, seine Zeit nach Feierabend und zuweilen auch bei der Maloche totzuschlagen versteht: durch ein hemmungsloses Besäufnis. Bereits kurze Zeit nach Dienstschluss hatten die Gesetzeshüter genügend Biere „verhaftet“, um nicht nur die Auslegeware und das Mobiliar durch ihren Mageninhalt in Mitleidenschaft zu ziehen. Auch das Personal und die anderen Hotelgäste hatten durch die Staatsdiener, die jeglichen zivilisatorischen Mindeststandard in Alkohol ertränkten und damit das alltäglichen Gebaren im Ostteil der Republik importierten, sichtbar zu leiden. Anscheinend waren die Bereitschaftspolizisten durch den Kontakt mit Demonstranten noch nicht vollständig auf ihre Kosten gekommen, so dass Pöbeleien gegen Personal und Gäste folgten, die jeden Teilnehmer der Chaostage vor Neid erblassen lassen würden. Der marodierende und uniformierte Mob war sogar kurz davor, eine Hochzeitsgesellschaft zu sprengen.
Der sachsen-anhaltische Innenpolitiker und stellvertretende CDU-Landesfraktionsvorsitzende Holger Stahlknecht sprang zwar für seine Nachwuchschaoten mit einer durch ihre brillante Logik bestechenden Schutzbehauptung in die Bresche: „Sie stehen nach solchen Einsätzen, mit zum Teil kriegsähnlichen Zuständen, unter höchster Anspannung.“ (Interessant wäre zu erfahren, wie viel Promille Herr Stahlknecht den Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan zugesteht, um einsatzfähig zu sein.) Doch die Hamburger Polizeidirektion scheint für diese Logik wenig empfänglich zu sein und wird in Zukunft auf Amtshilfe aus dem trübsten aller Bundesländer verzichten. Die Redaktion möchte auf diesem Wege die Hamburger Polizei für ihre weise Entscheidung beglückwünschen. (eco)