Wer sich für das Selbstverständnis der Nachwuchshooligans des „Halleschen Fußballclubs“ (HFC) interessiert, kann auf ihrer Homepage lesen, dass „prinzipiell alle Entscheidungen innerhalb der Gruppe demokratisch gefällt [werden], d. h. die Mehrheit entscheidet“. Jeder hätte das Recht, „Ideen und Vorschläge einzubringen und diese zu verwirklichen“. Diese Musterdemokraten nennen sich selbst „Jugendbande Saalefront“ und sind nach eigenen Angaben eine zwanzigköpfige Ultragruppe im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Wie ein demokratischer Mehrheitsentscheid bei der „Jugendbande“ kürzlich ausging, zeigt sich im hallischen Stadtbild. Dort sind neben Graffiti und Aufklebern der Minihools regelmäßig eindeutige Bekenntnisse zu finden. Die bis dato letzte demokratische Entscheidung wurde an einem Wochenende getroffen, als sich die Mehrheit der U21-Ultras offenbar für das Demolieren eines Asiaimbisses aussprach. Auch der Vorschlag, den Imbiss zusätzlich mit dem Wort „Juden“ zu beschmieren, muss, dem Selbstverständnis nach, von mehr als der Hälfte für richtig erachtet worden sein. Wahrscheinlich gab es nur bei einer Fragestellung längeren Klärungsbedarf: Unterschreibt jeder mit seinem Vor- und Zunamen oder genügt der Gruppenname „JBSF“. Wie die Entscheidung ausging, ist gegenwärtig an zahlreichen Orten in Halle ersichtlich. Nun ist es bei weitem keine Neuigkeit, dass sich das Fanumfeld des HFC gerne des Wortes „Jude“ bedient, um Gegner zu verunglimpfen. Unvergessen sind die Schmährufe „Juden Jena“ im Jahr 2008 gegen den „FC Carl Zeiss Jena“. Die in Halle und anderswo aufgetauchten Schmierereien „Juden MD“, „Juden VfL“ usw. lassen auf die hohe und seltene Gabe der gelungenen Kombination von bereits Erlerntem und neuen Lerninhalten schließen. Wie auch immer: Danke für die Unterschrift „Jugendbande“. So kommt wenigstens nicht der grundlose Verdacht auf, dass organisierte Nazis dafür verantwortlich seien. Es ist kein allzu großes Geheimnis, dass im Kurt-Wabbel-Stadion, der maroden Kampfarena des HFC, Ultras und Nazis oft in Personalunion anzutreffen sind. Doch nicht nur die Rotzbengel der „Jugendbande Saalefront“ pflegen ihren Antisemitismus: Bei einem Hallenturnier, an dem auch der „FC Carl Zeiss Jena“ teilnahm, platzte es plötzlich aus einer Frau mittleren Alters heraus. Sie beschimpfte den Verein als „Scheiß Juden Jena“. Auch außerhalb des Fußballstadions wird man manchmal beim Verzehr einer Currywurst eiskalt erwischt, wenn langweilige BWL-Studenten sich untereinander als „Juden“ beschimpfen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die antisemitischen Parolen und Schmierereien des HFC-Kindergartens zunächst keinerlei Aufsehen erregten. Erst nach einer Presseerklärung des „AK Kritischer Studierender der MLU Halle“ wurde in Internetforen wieder fleißig diskutiert. Und die wahren Schuldigen sind mal wieder die „bösen Medien“, die sich auf die Taten „vereinzelte Störer“ stürzen und den HFC diskreditieren wollen. So spricht ein dem Fußballverein zugetaner Fan von fiesen „Vermutungen und Unterstellungen“, wahrscheinlich „eine Kampagne von Stadiongegnern, Grünen und Linken“. Die vor allem eins wären: „Rufmord“. (flp)
Halles beliebtestes Schimpfwort
28. Juni 2010 von bonjour tristesse
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Fußball kanalisiert ein Bedürfnis. Das Ich kann sich in der Masse endlich vom Über-Ich befreien. Das Begehren des Mobs bricht sich Bahn. Was passiert, wenn ein alkoholisierter Fußball-Fan der Jugendfront nachts und umnachtet allein auf dem Weg nach Hause ist, dabei aber vergisst, dass seine Hool-Freunde nicht mehr bei ihm sind, ist ein Fall für den Kieferorthopäden.
Wie der Schmiss beim Burschi, so die Zahnlücke beim Hool…
Blöd ist nur, dass viele von denen schon ihre zweiten Zähne haben, und letztlich alle von der Sozialpartnerschaft profitieren.
In Halle projizieren die national gesonnenen Fans ihr Bedürfnis danach, wieder ganz und gar Natur zu sein, in Affenlauten. Zugleich werten sie sich dabei gegenüber Nicht-Weißen auf:
Zyklon B für die ARD:
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