Als sich die hallische Stadtverwaltung 2005 dazu entschloss, die Intendanz des dauerdebilen Bonjour-Tristesse-Stammgastes Peter Sodann über das „Neue Theater“ nicht mehr zu verlängern, begründete sie diese weise Entscheidung mit der Aussage, sich mehr „moderne, internationale Dramatik“ an den örtlichen Schauspielhäusern zu wünschen. Das Dumme ist: Halle und „moderne, internationale Dramatik“ vertragen sich nicht besonders gut. So verkündete Sodanns Nachfolger Christoph Werner, dem das hiesige Publikum den Bruch mit den Ostler-Revuen des Bundespräsidentschaftskandidatens der Herzen nie verziehen hat, schon lange vor dem Auslaufen seines Vertrages, sich nicht um eine Verlängerung bemühen zu wollen. Nach mehrmonatiger Suche verkündete das Stadtmagazin „Frizz“ nun, dass sich mit dem Schauspieler und Regisseur Matthias Brenner am Ende der „Wunschkandidat des Ensembles“ als Nachfolger Werners durchgesetzt habe. Das Magazin verschwieg dabei freilich etwas, was zumindest die Leser der „Bildzeitung“, die hier korrekt berichtete, wissen konnten: Brenner war nicht nur der Wunschkandidat des Ensembles, sondern auch der einzige, der sich um den Job beworben hatte. Der Schweizer Regisseur Res Bosshart, der sich zunächst ebenfalls auf die Interessentenliste hatte setzen lassen, zog seine Kandidatur schon im Januar zurück. „Er hat“, wie der hallische Stadtsprecher erklärte, „einer Professur in Zürich den Vorzug gegeben.“ Auch Bonjour-Tristesse-Autorin Melanie Hübner, die durch das Einstudieren eines Schülersketches in der 4. Klasse ebenfalls ausreichend qualifiziert gewesen sein dürfte, nahm nach einigen Überlegungen wieder Abstand von ihrem Plan, sich um das Amt zu bewerben. Ihr war ebenfalls ein besseres – und vor allem: herausfordernderes – Angebot angetragen worden: Sie arbeitet ab April als Kartenabreißerin in einer Minigolf-Anlage in Oldenburg. (tmd)
Bauer sucht Frau
28. Juni 2010 von bonjour tristesse
Veröffentlicht in Zeitung | 2 Kommentare
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Liebe/r Autor/in!
Ich verstehe den Artikel in seiner Wahrnehmungsbeschreibung der Vorgänge zutiefst.
Natürlich werde ich alles tun, um einem tristen Eindruck zuwiderzuhandeln. Nur eine Korrektur zur Kenntnisnahme.
Am Anfang aren es 12 Kandidaten, von denen sechs zur ersten Sitzung des Aufsichtsrates eingeladen wurden. (Alle Namen wurden eindrücklich und fast übereifrig in der Presse (MZ und andere) veröffentlicht. Zwei erreichten die letzte Runde, aus der drei Tage vor Abschluß mein Kollege Res Bossart ausstieg. Es war ein gründliches und profundes verfahren, dem ich kich unterwerfen musste. Ob ich das Vertrauen bestätigen kann, das wird die Zukunft weisen. Ich habe Lust und Leidenschaft und Vofreude auf meine Aufgabe.
Herzlichst
Matthias Brenner
Lieber Herr Brenner,
vielen Dank für die kleine Korrektur. Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.