Als vor einigen Monaten der iranische Botschafter gemeinsam mit einer Handvoll Irrer – der Hamasfreund Udo Steinbach war ebenso mit von der Partie wie der Neonazi Jürgen Elsässer und der Antisemit Thomas Steinberg – in Hamburg einkehrte, um im dortigen Kempinski-Hotel den Jahrestag der „Islamischen Revolution“ zu begehen, setzte ihn die Leitung des Hauses nach Protesten diverser Organisationen kurzerhand vor die Tür: In Zeiten wie diesen, in denen allzu ruchbar wird, welche Art von Regime da im Iran wütet, wollte sich der umsichtige Hotelmanager mit einer Propagandaveranstaltung für die „Islamische Republik“ lieber doch keine schlechte Publicity einfangen. Die Stadtoberen und andere Politiker hatten erst recht wenig Lust, sich mit einem hochrangigen Regimevertreter ablichten zu lassen, man kommt dieser Tage ja so schnell ins Gerede. Die Geschassten charterten einen Ausflugsdampfer (auf welchem ansonsten Firmenfeiern, goldene Hochzeiten und dergleichen prunkvolle Festivitäten stattfinden) und schipperten mit diesem auf der Elbe entlang. Während Sheikh Attar und mit ihm die restlichen Parias in Hamburg also auf einem Kahn vor den Stadtmauern Hof halten musste, freute man sich andernorts sehr viel mehr auf hohen Besuch aus dem Mullahland: In Magdeburg, wo die Zone am dunkelsten ist, verkündete die Pressestelle der Stadt vor wenigen Wochen mit greifbarem Stolz, dass „Magdeburgs Bürgermeister Dr. Rüdiger Koch im Alten Rathaus den Botschafter der Islamischen Republik Iran, S. E. Ali Reza Sheikh Attar“ empfangen hatte. In einer anschließenden Kurzbiographie über den prominenten Neuzugang im Poesiealbum der Landeshauptstadt erwähnte die Pressestelle zwar allerlei Wichtiges über „Seine Exzellenz“ (Studium der Chemie, Botschafter in Indien, Berater des iranischen Außenministeriums, verheiratet, drei Töchter), vergaß allerdings ein kleines Detail aus dem Lebenslauf des Gastes: Von 1980–1985 war der enge Weggefährte Ahmadinedschads Gouverneur der Provinzen Kurdistan und West-Aserbaidschan und persönlich für die Abschlachtung hunderter Kurden verantwortlich. Nach Aussagen iranischer Oppositioneller hätten zwar alle Regimevertreter Blut an den Händen, Sheikh Attar aber gehöre zu jenen, die damals im Blut badeten. Die Peinlichkeit, diesen Massenmörder mit allen Ehren zu empfangen, dem zuvor in Hamburg jeder stadtoffizielle Handschlag verwehrt wurde, verweist auf eine weitere Magdeburger Besonderheit. Während in Hamburg eine große exiliranische Community dazu beitrug, einen Empfang Sheikh Attars zu verhindern, gibt es elbaufwärts kaum Landsleute des Botschafters, die mit ihrem Protest die Stadt hätten blamieren können. Denn der autochthone Magdeburger Nazi jubelt zwar dem Holocaustleugner Ahmadinedschad zu, wird aber handgreiflich, sobald er eines Iraners in seinem Revier gewahr wird. So dürfte also vor einigen Wochen in Magdeburg traute Eintracht geherrscht haben: Die Stadtverwaltung erfreute sich am vermeintlichen Renommee, welches der internationale Gast ihr bescherte, die Nazis waren froh, einen Kameraden begrüßen zu können, der hernach wieder von dannen zog, und die lokalen Antiimperialisten haben zufrieden zur Kenntnis genommen, dass da einer geehrt wurde, der ihren Hass auf Israel uneingeschränkt teilt. Barbaren unter sich eben. (gez)
Barbaren unter sich
28. Juni 2010 von bonjour tristesse
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