Glaucha. Man sollte es schon mehrmals laut aussprechen, um die Hässlichkeit der Phonetik bis ins Mark zu spüren. Schon vom Namen her will dieser Ort niemandem gefallen. Er klingt nach einem Gemisch aus Gülle und Jauche, und, was dazukommt, er sieht auch so aus. Ein Stadtteil, der von der Presse sowie den einschlägigen Akteuren als „Problemviertel“, „schwieriger Stadtteil“, „Kiez mit schlechtem Ruf“ oder ganz simpel „sozialer Brennpunkt“ charakterisiert wird. Um das im südlichen Innenstadtbereich Halles liegende Viertel zu beschreiben, mangelt es in den bisher erschienenen Traktaten auch nicht an kraftstrotzenden Vokabeln. Die beliebtesten zur Beschreibung des Viertels verwendeten Worte lauten dann auch „Resignation“, „Leerstand“, „Frust“ und „Verfall“. Dabei ist Glaucha jedoch vor allem eines: ziemlich normales Halle. Melanie Hübner hat sich etwas näher herangewagt.
Als sich Mitte der 1990er Jahre die „Vereinigte Linke“ („VL“) dazu entschloss, ein seit Jahren besetztes und genutztes Haus in der hallischen Innenstadt aufzugeben und zugunsten eines von der Stadtverwaltung angebotenen Ersatzobjektes in einem unattraktiven Arbeiterviertel zu verlassen, hatten die Hausbesetzer große Pläne. Nicht nur die Sanierung des heruntergekommenen Gebäudes, sondern vor allem die Veränderung des herrschenden Milieus, das heißt, das Hineinwirken des Projektes in die unmittelbare Umgebung, waren ausgemachte Ziele der Umzügler. Während die Sanierung im Grunde bis heute andauert, ist das Projekt „Milieuveränderung“ bereits lange vorher gescheitert. Die Bewohner des Viertels interessierten sich weder für Antirassismus noch für die neueste Ausgabe der Berliner Autonomenpostille „Interim“. Und auch ein sich im Hause befindliches Restaurant, das vor langer Zeit für seine durchaus schmackhaften Speisen bekannt war, wurde in der Regel nicht von den Anwohnern der umliegenden Straßenzüge aufgesucht, sondern vom linksalternativen Klüngel anderer Stadtviertel. So musste schon bald auch der Versuch einer kulinarischen Umerziehung als gescheitert betrachtet werden. Die Anrufe wegen Lärmbelästigung bei den halbjährlich stattfindenden Open-Air-Veranstaltungen blieben bis auf weiteres die einzigen Indizien für eine Interaktion mit der alteingesessenen Einwohnerschaft. Auch die erhoffte Sogwirkung des „VL“, und damit der Zuzug von Studenten, Linksalternativen und anderen potenziellen Milieuveränderern blieb weitgehend aus. Die Anwohnerschaft des Stadtbezirkes zeigte sich beeindruckend widerständig gegen die penetranten Anquatschversuche von links. Was in der Umgebung des „VL“ grandios scheiterte, scheint sich nun mit 15-jähriger Verzögerung im sich in unmittelbarer Nähe des „VL“ befindlichen Glauchaviertels zu verwirklichen.
Postkult e.V.
Das sich ansonsten mit derlei deutlichen Formulierungen zurückhaltende Online-Lexikon „Wikipedia“ weiß über das Glauchaviertel durchaus Erhellendes zu berichten: „Der Dreißigjährige Krieg ruinierte die kleine Gemeinde wirtschaftlich und moralisch. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts prägte die Trunk- und Spielsucht das öffentliche Leben. […] Als 1682 eine Pestepidemie 800 von 1.200 Einwohnern auslöschte, war die Katastrophe perfekt. Zahllose Waisenkinder bettelten sich von Tür zu Tür, und das gesellschaftliche Leben lag vollends brach.“ Vom Wirken des Kinderschinders August Hermann Francke über die Geburt der Stalinistin Margot Honecker bis hin zum heutigen Zustand zieht sich das gesellschaftliche und intellektuelle Elend wie ein roter Faden durch die Geschichte des Viertels. Dass es damit auch in Zukunft nicht vorbei sein wird, steht derweil zu vermuten. Doch seit einiger Zeit ist Glaucha beliebt. Beliebt bei den „Stadtvätern“, der „Internationalen Bauausstellung 2010“ (IBA), diversen Initiativen für und gegen alles Mögliche, dem „Halleforum“ und vor allem: dem „Postkult e. V.“. Gegründet vor mehr als drei Jahren ist der Verein innerhalb kürzester Zeit zum Shootingstar der hallischen Vereinsmeierei aufgestiegen. Gegenwärtig vergeht kaum eine Woche, in der in Glaucha nicht irgendein „Projekt“ stattfindet, nicht zu einem „Straßenfest“ eingeladen wird oder, unter Schirmherrschaft der Postkultler, mit großem Tamtam die Zukunft des Viertels beschworen wird. Dabei orientiert sich der Großteil der zahlreichen „Projekte“ am traditionellen linken Erfahrungsschatz der „Stadtteilarbeit“. Konkret: Es gibt einen „Umsonstladen“, einen „Stadtgarten“, ein „Kulturlabor“, Straßenfeste und dergleichen mehr. Im Unterschied zu den schwarzkapuzigen Vorbildern aus Berlin, Hamburg und Göttingen bezeichnen sich die Akteure in Glaucha jedoch nicht offen als „Linke“. Trotz der augenscheinlichen Nähe zur alternativen Szene – nicht wenige der Aktivisten können auf eine Karriere in linken Initiativen zurückblicken – ist beim „Postkult e. V.“ kein Verweis auf die sonst unvermeidlichen „-ismen“ wie Antirassismus, Antifaschismus, Antisexismus usw. zu finden. Doch das ist auch nicht nötig. Denn all das, was lange Zeit als „links“ galt, gehört selbst im schwarz-gelb regierten Deutschland längst zum Mainstream. Der „Postkult e. V.“ ist somit ein Kind seiner Zeit, das seinen Erfolg dem Aufguss alter Schoten verdankt, ein revolutionäres Relikt aus den 1980ern, heute staatstragend und friedlich. Trotz dessen: Verfolgte man als interessierter Beobachter in den letzten Monaten die Aktionen der Glauchaverbesserer, blieb meist nicht viel mehr als ein seltsames Unbehagen über den Aktionismus, der vor allem langweilig war. Etwas wirklich Fassbares ließ sich gegen den „Postkult e. V.“ nicht vorbringen. Der Verein agierte scheinbar unideologisch, pragmatisch und präsentierte sich als gewöhnlicher Trittbrettfahrer einer gesellschaftlichen Entwicklung. Doch in letzter Zeit gewann das Profil des Vereins mehr und mehr an Kontur. So wie die in den 1980er Jahren hervorsprießenden linken „Umsonstläden“, „Volksküchen“ u. ä. nie rein karitative Veranstaltungen zur Versorgung der Szeneangehörigen waren, haben auch die Aktivitäten des „Postkult e. V.“ mehr im Sinn, als die Bespaßung des eigenen Mikrokosmos’. Immer schon waren die einschlägigen Angebote der Szene Werbeveranstaltungen, mit denen dem Rest der Menschheit bewiesen werden sollte, dass ein „anderes Leben möglich“ und der Verzicht auf die Monetärwirtschaft – das Verteilen kostenloser Altkleider, ausgemusterter Elektrogeräte und verkalkter Wasserkocher – der erste Schritt hin zur „befreiten Gesellschaft“ sei. Trotz des Wissens um das sich im Nationalsozialismus den Nazis an die Brust werfende Proletariat stand der Kampf um das Volk, die Anbiederung an den Mob, bei der übergroßen Mehrheit der Linken ganz oben auf der Agenda. Dass sich außerhalb der Szene niemand für die meist in dunklen Kammern untergebrachten „Umsonstläden“ interessierte und die Bevölkerungsmehrheit lieber „vereinzelt“ selbst kochte, als sich den Zumutungen des Volksküchenschmauses auszusetzen, nahm man zwar wahr, vermutete hinter der Abfuhr aber die manipulativen Machenschaften der herrschenden Klasse. Auch beim „Postkult e. V.“, in dem sich nach eigenen Angaben „motivierte, junge Menschen, […] zusammenfanden, um einfach mal was zu machen“, ist der Praxiswahn, das Tun um des Tuns willen, und die damit offen artikulierte Absage an das Denken, nur die eine Seite. Denn auch den Postkultlern geht es um mehr. Der Verein setzt sich laut Website „für die Bereicherung des kulturellen und kreativen Lebens“ ein, er lege „seinen Schwerpunkt auf die Wiederbelebung von leer stehenden Gebäuden und Gebäudeteilen“, und arbeitet „nun vor allem stadtteilbezogen in Glaucha“, denn man will „dazu beitragen, das Viertel neu zu beleben“.
Persönliche Streitigkeiten
Was jedoch passiert, wenn sich Leute um des Bedürfnisses nach Identität zusammenschließen, wenn also der Drang, sich eine Heimat zu basteln, übermächtig wird, ist derweil bekannt. Gemeinschaft funktioniert nicht ohne Ausschluss, Heimat nicht ohne Affront gegen Fremde, und Identität ist ohne Feindschaft schwerlich zu haben. Und diese Fremden sind auch in Halle schnell ausgemacht: Bei einem Konzert, das vom „Postkult e. V.“ organisiert wurde, kam es zu massiven antisemitischen und homophoben Beschimpfungen. Laut mehreren Zeugen beschimpfte ein Gast der Veranstaltung den Träger eines Davidsterns als „Judenschwein“; es kam zu Aussprüchen wie „Halt die Fresse, du Zionist“ usw. Vom „Postkult e. V.“ interessierte das vor Ort zunächst niemanden. Erst als sich eine handfeste Auseinandersetzung entwickelte, griffen Vereinsmitglieder ein und versuchten, die Situation zu schlichten, indem einer der zuvor Beschimpften als „Schwuchtel“ und „schwule Sau“ tituliert wurde. Im Zuge einer sich den Folgewochen in der Öffentlichkeit entwickelnden Diskussion um die Vorkommnisse erklärte der Verein – offensichtlich um seinen Ruf und damit um die reich sprudelnden Fördertöpfe besorgt –, dass er angesichts der Vorwürfe, die Äußerungen „geduldet und sogar gebilligt“ zu haben, „tief getroffen und geschockt“ sei. Wohlgemerkt, „getroffen“ und „geschockt“ über die „Vorwürfe“, nicht etwa über die antisemitischen und homophoben Äußerungen. Das Problem sei gewesen, dass den „meisten von uns weder rassistische noch sexistische Beleidigungen gemeldet worden sind“, da ansonsten „angemessen darauf reagiert“ worden wäre. Den „meisten“ wurden die Beleidigungen also nicht „gemeldet“. Das ist in etwa so, als würde ein Kleptomane zu seiner Verteidigung vorbringen, an den „meisten“ Tagen nichts zu stehlen. Man wolle „die Behauptung stark zurückweisen, dass Mitglieder von Postkult oder Organisatoren besagter Veranstaltung sexistische oder antisemitische Äußerungen gebilligt hätten“. Der Grund dafür sei einfach: „Diese Behauptung“ hätte sich „bereits aufgrund unserer eigenen Nachforschungen als unwahr erwiesen“. Chapeau! In internen Beschwichtigungsmails hatte der „Postkult e. V.“ derweil einige Aussagen längst zugegeben: „In diesem Zusammenhang ist es zu der […] Äußerung ‚vier Pussies auf einen, das geht nicht‘ gekommen.“ Aber entlastende Argumente wurden gleich mitgeliefert: „Diese Formulierung ist natürlich unangebracht, allerdings eben auch der Situation, um ca. drei Uhr morgens vier stark betrunkene Leute auseinander zu bringen, geschuldet.“ Allgemein habe man „das eindeutige Gefühl, in einen schon länger andauernden persönlichen Konflikt zwischen in Halle politisch aktiven Personen hineingezogen zu werden, der nun leider auf dem Rücken von Postkult ausgetragen wird.“ Man verbitte sich dies zukünftig und nutze „die Gelegenheit“, „alle Beteiligten dazu aufzufordern, Postkult nicht länger in persönliche Streitigkeiten hineinzuziehen“.
Kampf um die Straße
Noch eine ganze Weile danach waren die Mitglieder des „Postkult e. V.“ emsig darum bemüht, den erlittenen Imageschaden in der Öffentlichkeit damit zu begrenzen, die oben erwähnte windelweiche Erklärung, deren Inhalt schon bei oberflächlichem Lesen als Lüge erkennbar war, in alle Welt zu versenden, die vermeintlichen Autoren einer Presserklärung, die die Vorkommnisse skandalisiert hatten, zu einem klärenden Gespräch einzuladen, und potenzielle Geldgeber von der Seriosität der eigenen Machenschaften zu überzeugen. Doch es sollte eine Öffentlichkeit korrumpiert werden, die in der Provinz weder den Willen noch die Möglichkeit besitzt, solchen Unholden wie den Postkultlern das Handwerk zu legen. Das stoische Beharren auf der eigenen Integrität, darauf, lupenreine Demokraten zu sein, ist eher ein Hinweis darauf, dass die Postkultler ihr eigenes Geschwätz nicht glauben. Das trotzige Festhalten an der Ansicht, dass das Organisieren eines „interkulturellen Austauschs“ schon von sich aus davor schütze, Antisemit, Schwulenfeind oder Rassist zu sein, deutet vielmehr darauf hin, dass es sich bei dem Pamphlet um die Selbstvergewisserung handelt, auf der Seite der Guten zu stehen. Ähnlich einem Gläubigen, dessen unbewusste Zweifel an der Existenz Gottes ihn umso häufiger zum Allmächtigen beten lassen, bis er sich selbst den letzten Zweifel an dem religiösen Firlefanz ausgetrieben hat. Diese Positionierung wider Willen, dessen aufgezwungener Charakter sie so wenig antifaschistisch sein lässt, wie einst den gleichlautenden Schutzwall an der Westgrenze der DDR, ist deshalb vor allem eines: nichts wert. Denn vor dem Hintergrund der widerwärtigen Äußerungen birgt das Lamento über „persönlichen Streitigkeiten“, in die man lediglich „hineingezogen“ worden sei, selbst schon ein paranoides Moment, das die Hintergrundmusik zur Hatz auf jene spielt, deren Abweichlertum als Bedrohung des Friedens und der Glückseligkeit empfunden wird.
Gangs of Glaucha
Doch auch ganz andere „Akteure“ des Viertels sahen sich in ihrer Vorstellung von Gemeinschaft gestört: Kurz vor einer geplanten Eröffnung brachen offenbar Neonazis in die Homebase des Vereins ein, verwüsteten das Inventar und hinterließen an den Wänden geschmierte Hakenkreuze und SS-Runen. In Übereinstimmung mit der danach kolportierten These, dass die Täter die Postkult-Aktivisten von ihrem „Engagement abbringen“ wollten, zeigte der Überfall vor allem, dass der Kampf um die Vorherrschaft und damit um die Gunst der Volksseele hart ausgefochten wird. Während die einen als Lösung der Misere den traditionellen Weg der Stärkung des Deutschtums und der „Rückführung“ Volksfremder ausrufen und zur Durchsetzung ihrer Interessen bisweilen auch Gewalt anwenden, steht die Konkurrenz vom „Postkult e. V.“ in konkreten, aber durchweg friedlichen Angeboten kaum nach: Arbeitseinsatz, Armut als Lifestyle und Stadtteilarbeit. Nicht die Kritik an Zuständen, die Menschen dazu zwingen, sich in schäbigen „Umsonstläden“ einkleiden zu müssen, steht auf der Agenda. Nicht der Hinweis, dass es etwas Schöneres gibt, als in Abrisshäusern als „Wächter“ diese vor dem Verfall zu schützen. Nicht der Verweis, dass in einem „Stadtgarten“ sich insbesondere jene engagieren, nach deren Wirken auf dem Arbeitsmarkt keinerlei Nachfrage besteht. Die Affirmation der schlechten Realität ist das Erfolgsrezept der Postkultler. Verzicht und Entsagung sind als sinnstiftendes Programm für eine Gemeinschaft unerlässlich. Das Einrichten in der Armut, der demonstrative Verzicht auf Forderungen nach einem besseren Leben sind die Ingredienzien einer sich modernisierenden Form deutscher Ideologie. Während klassische Nazis mit ihren resterampigen Parolen niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken, spricht vieles dafür, dass – zumal in Krisenzeiten – das Postkult-Rezept von Kommunitarismus, „do-it-your-self“ und Gemeinschaftsfimmel das deutsche Erfolgsrezept der Zukunft sein dürfte. Exportchancen inklusive.
Melanie Hübner
Ey… IHR SEID SO LINKS, DASS IHR RECHTS SCHON WIEDER RAUSKOMMT!!!!!!
… für meinen geschmack viel zu weit über das ziel hinausgeschossen. warum lasst ihr euch zu so billiger polemik herab, wo doch ein genaueres hinschauen/teilhaben alles entkräften würde, was in dem artikel behauptet wird. bt – du hast mich heute wirklich enttäuscht.
Eine berechtigte Kritik an den deutschen Zuständen, die sich sicher nicht nur in Glaucha finden lässt. Auch Postkult ist nur ein Verein, der sich mit dem System arrangiert und nicht aufzeigt, das die es Zustände sind, die kritisiert werden müssen.
Aber was soll Postkult denn tun? Eine Zeitschrift mit dem Titel “Au revoir jovialité” gründen? Und weiter jeden Versuch zumindest im kleinen Kreis von der endlosen Konsumgesellschaft wegzukommen schlecht reden?
Meinem Kenntnisstand nach bindet der Postkult e.V. sehr wohl auch Anwohner des Viertels mit ein, der Stadtgarten zum Beispiel wird nicht, wie in diesem Artikel beschrieben, ausschließlich von Menschen “deren Wirken auf dem Arbeitsmarkt keinerlei Nachfrage besteht” bepflanzt.
Aber darum geht es hier auch gar nicht. Ich bin wahrlich ein Freund der Bonjour Tristesse, aber hier muss ich der Autorin fehlende Recherche vorwerfen. Sicher passen die Mitglieder des Postkult e.V. nicht in das Bild der Tristesse, da sie, wenn auch unfreiwillig, ein Teil des Systems sind, gegen das sie ja eigentlich mit ihrem “blinden Aktionismus” agieren wollen. Auch der vorherschende Bezug auf die Internationalität des Projekts stößt mir manchmal vor den Kopf, weil es nicht darum geht das Konstrukt von Nation und Volk in Frage zu stellen, sondern einzelene Aspekte dieser Konstrukte sogar zu verstärken.
Aber was tun? Was ist denn noch linkes Handeln? Aktionismus ist es wohl nicht, sich mit einem “Problemviertel kreativ auseinander zu setzen” auch nicht. Was bleibt da noch? Auf dem hohen Roß sitzen und von oben herab alles verurteilen, dass einen Ausbruch wagt? Offensichtlich.
Mein Vorschlag:
Liebe Melanie, falls du es noch nicht getan hast, dann geh’ bitte zum Postkultverein, rede mit ihnen und biete an, vielleicht auch mal einen kleinen Vortrag zu halten, wie man solch ein Projekt nutzen kann, um mehr als nur Aktionismus zu haben. Und wenn du auch mal etwas Aktionismus wagen willst, dann starte auch ein “Projekt”. Mach es aber so, dass die Menschen in Glaucha auch davon profitieren, da dort wohl die Wenigsten etwas mit kritischer Theorie usw. anfangen könnten (mal abgesehen von den Postkultleuten). Leider kannst du mit deinem Text hier nur diejenigen erreichen, die es direkt betrifft und natürlich die Leser der Tristesse.
Falls du wirklich daran interessiert bist, dass ein besseres Leben möglich ist, dann mach mehr dafür als nur Artikel für 50 Leute zu schreiben.
Wenn du kein Interesse daran hast, dann werf’ ich dir auch einfach Aktionismus vor… Hauptsache du hast wieder etwas gegen die Zustände geschrieben… geändert hat sich dadurch nichts.
Melanie,
wir veranstalten am 2. September im Postkult e.V. eine Antifa-Gangbang-Party. Wir haben schon Gesine Hennrich aus Berlin geklärt für den Abend ( http://ignaz.blogsport.de/images/mutti.jpg ). Ich weiß du stehst nicht so auf Ostmandys wie Gesine aber wat mut dat mut.
Tief in dir drin kreigst du die Mandy nicht raus, trotz Elektro, hässlichen Brillen und Lesekreis. Melanie gib dir nen Ruck… Nimm nen Schluck.
Wir sind ja nicht solche Macker_innen wie in Leipzig oder so. Zum Boxen wird sich bei uns nicht in der Kiesgrube getroffen (R.i.p. AAB feat Leipzig). Wir setzen da eher auf Zärtlichkeiten und eine gemütliches Beisammensein im Postkult-Keller.
Manche Menschen aus dem Halleneser Szenesumpf haben schon von einem zweiten “Guantanamo”-Keller schwadroniert und der AFBL hat uns schon erboste Mails geschrieben, in dem sie uns sexuelle Erniedrigung vorwerfen.
Dem können wir nur Erwiedern, dass das was als zweites “Guantanamo” oder “sexuelle Erniedrigung” gegeiselt wurde sich voll und ganz im Rahmen antifaschistsicher Reeducation bewegt.
Wir würden uns freuen wenn du vorbei kommst. Du wärst nicht die erste und an diesem Tag auch bestimmt nicht allein (ist ja nichts ungewöhnliches für solche GB-Veranstaltungen). Wir freuen uns auf dich.
Kussi.
Deine Glaucha-Links-Deutschen
“Runter auf die Knie und blasen” (King Kool Savas)
Adorno, geht gar nicht. Auch wenn der Artikel noch so unreflektiert und schwachbrüstig polemisch daherkommt.
@ohlala
welche der im artikel beschriebenen informationen sind denn falsch?
wenn du schon so herum raunst und offenbar gut bescheid weißt, dann sag doch bitte konkret, was sache ist.
@Fahrradfahrerjunge
“Sicher passen die Mitglieder des Postkult e.V. nicht in das Bild der Tristesse, da sie, wenn auch unfreiwillig, ein Teil des Systems sind, gegen das sie ja eigentlich mit ihrem „blinden Aktionismus“ agieren wollen.”
Darum ging es im Artikel nicht. Wo steht das?
“fehlende Recherche”? Gleiche Frage: Was ist falsch im Artikel?
“Aber was tun?”
Ist die Bonjour Tristesse eine Ideenwerkstatt zur Besiegung des Kapitalismus? Möglichst praxisnah und leicht nachzumachen? Frag deinen Sozialkundelehrer. Pfandflaschen sammeln gegen Hunger in Simbabwe. Was weiß ich.
Was ist das bitte für ein Schwachsinn den ihr da schreibt. Seid ihr mal in Glaucha gewesen, ich denke nämlich eher nicht. Wo bitte gibt es hier eine “rechte Gang”. Ich wohne seit knapp 30 Jahren hier und auch meine Bekannten mit Migrationshintergrund können diese Ansicht keinesfalls teilen.
Die meisten Probleme gibt es eher auf Grund der sozialen Schicht, bzw. Bildungsschicht, die hier vorherrschend ist. Dazu sei gesagt, dass das Rassismusproblem hier meist auf alle Hautfarben zurückfällt, vorallem gegen Abend wenn die Meisten ihren Frust mit Rausch ertränken, bzw. betäuben.
Da wird man als Weißer von Schwarzen angepöbelt, die wiederum von Arabern angepöbelt werden und umgekehrt.
Es fallen die Hemmungen auf allen Seiten. Das dass ein großes Problem ist ist unstrittig, aber weit ab von dem was ihr behauptet.
Das der Postkult einen Tag vor der Verwüstung des Umsonstadens eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe rechtsgesinnter Idioten hatte, die nichts mit dem Glauchaviertel zu tun haben verschweigt dieser gern, den so lässt sich das einfach in die Probleme mit den Bürgern integrieren.
Was nämlich Postkult und andere Vereine auch gerne nicht erwähnt, ist die Kommunikationsproblematik mit der sie ihre Intensionen nach außen tragen. Warum ist einfach zu beantworten wenn man sich Programme und Aktivitäten der Vereine, sowie Mitglieder anschaut. Vermehrt kaufen diese sowohl Häuser als auch Grundstücke sehr billig auf und versuchen durch “Reinigung” (und das Wort stammt nicht von mir) die Preise für diese in die Höhe zu treiben, Prenzlauer Berg lässt grüßen. Da werden dann einfach mal komplette Innenhöfe gekauft und sollen für die “normalen” Anwohner durch Zäune abgegrenzt werden (O-Ton Postkult). Wahnsinn!!! So stellt man sich kulturelle Arbeit vor. Anderen Leuten wird einfach mal provisorisch das Ordnungsamt vorbeigeschickt, wegen angeblicher Kampfhundausbildung, was sich dann auch komischerweise als falsch rausstellte, Konsequenz = keine.
Was die Rufe über Juden etc. angeht, dazu kann ich nichts sagen, etwas derartiges ist mir persönlich hier noch nicht untergekommen. Das sowas nicht vertretbar ist steht außer Frage und die Reaktion von Postkult ebenfalls nicht nachvollziehbar, aber passend zu ihrem sonstigen Auftreten, nämlich nur persönliches Interesse am Eigenen.
Jedenfalls solltet ihr, bevor ihr zu polarisieren versucht, erstmal nach Hintergründen schauen und nicht diese typischen Studentenresentiments (man könne nachts nicht hier lang laufen etc.) über unser Viertel verbreiten, es entspricht einfach in keinster Weise der Wahrheit. Das macht euch am Ende ebenso unglaubwürdig wie die Vereine hier und hilft wenig um die Probleme in den Griff zu bekommen.
Ich stehe gerne zum weitern Gespräch zur Verfügung…
MfG Mason
Auschwitz fängt da an, wo einer steht und denkt,
es sind ja nur Tiere
von Theodor W. Adorno
also ICH erscheine wie erwünscht, hast DU auch den Mut?
Wo zur Hölle wird eigentlich immer dieses dämliche Adornozitat hergezogen? Also, gibt es da _irgendeine_ Quelle für?`
Wo zur Hölle ist dein Hirn?
Das Einzige, was ich dazu finden konnte, war ein Thread im Forum des Anti-Defamation-Forums, dass es sich dabei um eine gewaltige Fehlinterpretation eines Aphorismus′ seiner Minima Moralia handelt, leider ist das betreffende Forum bereits offline.
Tatsächlich taucht besagtes Zitat in Adornos Werk nirgendwo auf. Es ist erfunden, seine Verwendung unter Bezug auf Adorno damit eine Fahrlässigkeit oder ein Falschdarstellung, drastischer formuliert: eine Lüge.
Ihr seit echte Pappnasen…
Guter Artikel; gefällt mir. Weiter so!
puh! ganz schoen anstrengend die kommentare. vielleicht kann man dem artikel vorwerfen, dass er zu leicht verstaendlich geschrieben ist. daher die vielen wortmeldungen aus dem volk.
Was möchte mir ein Artikel sagen, der bereits zum Beginn aus falschen Informationen besteht und falsche Zusammenhänge suggeriert? Zum einen heißt es hallesche Innenstadt, seinerzeit zog auch nicht die Vereinigte Linke um sondern der Kellnerstraße e.V..
Vergleiche hierzu http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Linke und http://www.ludwigstrasse37.de/about.html .
Und die Ludwigstraße liegt auch nicht in Glaucha, Glaucha endet an der Torstraße. Ich selbst lebte als Kind in der Röpziger Straße (verbindet Torstraße und Ludwigstraße) in der selben Wohnung in der meine Mutter, meine Großmutter und meine Urgroßmutter aufwuchsen und jede dieser Damen hätte es strikt abgelehnt als aus Glaucha bezeichnet zu werden, diese Leute kannte man bestenfalls aus der Schule, aber zu solchen Leuten gab es keine freundschaften, die besuchte man auch nicht, über deren Leben spekulierte man nur obwohl sie lediglich 50m entfernt lebten. Das lag nicht an irgendwelcher Art von Lokalpatriotismus sondern an der verschiedenen sozialen Schichtung in unterschiedlich strukturierten Wohnsiedlungen (in Glaucha gab es bis in die 80er noch Hinterhauswohnungen ohne Wasser bis im Rahmen des Städteumbaus die Hinterhäuser zugunsten von Höfen abgerissen wurden). Genauso unterkühlt war übrigens auch die Beziehung zu den Leuten aus den Weingärten.