Vor einiger Zeit begann die Bonjour Tristesse eine Artikelreihe zum Thema „Was ist antideutsch?“. In den Ausgaben 3/2007 und 1/2008 beantwortete Jens Schmidt die Frage „Woher kommen die Antideutschen?“. In dem Text „Es geht um Israel“ erläuterte Philipp Lenhard in den Ausgaben 3/2008 und 1/2009 die Notwendigkeit einer Solidarität mit Israel und was diese mit materialistischer Gesellschaftskritik zu tun hat. In dieser und der folgenden Ausgabe der Bonjour Tristesse wird sich nun Mario Möller der Frage nach dem Gegenstand antideutscher Kritik zuwenden.
Seit der Etablierung antideutscher Kritik zu Beginn der 1990er Jahre wird hartnäckig darüber spekuliert, was denn die Essenz dieser „bemerkenswerten Facette“ sei, um die die „linksextremistische autonome Szene“ nach Ansicht des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen „ergänzt“ wurde. Zum Standardrepertoire der Prodeutschen gehören seither zwei Gerüchte: Wird von Seiten der diversen Verfassungsschutzämter gemutmaßt, antideutsche Kritiker seien einem Nazi-Gen der Deutschen auf der Spur, so behaupten linke Ideologen, die Antideutschen hätten den Anspruch auf eine befreite Gesellschaft gegen die Verherrlichung des Kapitalismus eingetauscht.
So wahr es ist, dass die Konsequenz der Shoa die Beseitigung Deutschlands hätte sein müssen, so irreführend ist es, sich bei der Behandlung der Frage „Was ist deutsch?“ ausschließlich auf das geographische Gebiet Deutschlands und seine Staatsbürger zu konzentrieren. Als Ergebnis einer Ideologiekritik – soviel sei an dieser Stelle schon vorweggenommen – wird sich herausstellen, dass jenes Denken und Handeln, das schon von Marx mit der Formel „deutsche Ideologie“ umschrieben wurde, weder an den Grenzen Deutschlands Halt macht noch auf einem erblichen Nationalcharakter basiert.
Deutsch ist die Verschmelzung der allgemeinen anti-bürgerlichen Tendenz, die die bürgerliche Gesellschaft im Angesicht der Krise produziert, mit einer spezifischen polit-ökonomischen Konstellation, die im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts exemplarisch zu beobachten war.
Zum Wesen der bürgerlichen Nation
Mit dem Sieg der französischen (bürgerlichen) Revolution setzen sich Verhältnisse durch, in denen naturbedingte und persönliche Abhängigkeitsbeziehungen unpersönlich-abstrakten Formen von Herrschaft wichen. War der Bauer in vorkapitalistischen Zeiten an seine Scholle, die Sippe und das persönliche Wohlwollen jenes Feudalherren gebunden, auf dessen Grund er lebte, so ändern sich die sozialen Verhältnisse mit der Durchsetzung des Marktes und des Zwanges, die eigene Arbeitskraft dort zu verkaufen, radikal. Der stumme Zwang der Verhältnisse ist nicht mehr mit den persönlichen Abhängigkeits- und Herrschaftsverhältnissen des feudalen Zeitalters, die nicht zuletzt auf den Marotten des jeweiligen Machthabers basierten, zu vergleichen. Das Recht nimmt einen universalen Charakter an und gilt seither unabhängig von der konkreten Person; Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gelten als Verwirklichung des Anspruchs der Aufklärung, die Menschen aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit herauszuführen. Verbunden wird dies mit dem Versprechen, dass der Einzelne individuelles Glück erlangen kann, ohne selbst Macht ausüben zu müssen. Ein ungezügelter Optimismus, der Geschichte als einen linearen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt begreift, beginnt das Denken des Bürgers zu bestimmen.
Die bürgerliche Nation weist gegenüber den vorkapitalistischen Gemeinwesen einen revolutionären Charakter auf. Der Untertan, der im Feudalismus in persönlicher und konkreter Abhängigkeit zu seinem Feudalherren stand, entwickelt sich zum selbstbewussten Staatsbürger einer Republik, in der lokale Befindlichkeiten überwunden sind und sich alle in unpersönlich-abstrakter Freiheit und Gleichheit ins Benehmen setzen.
Die bürgerliche Revolution basiert jedoch von Anfang an auf der Unterscheidung von Volk und Bevölkerung nach dem Maßstab der Produktivität. Das Recht auf physische Existenz wird mit der auf dem Markt nachzuweisenden Nützlichkeit verkoppelt. Dieses faktische Auseinandertreten von Volk und Bevölkerung hat zwangsläufig die Kennzeichnung eines „Anti-Volkes“ zur Konsequenz, das als unproduktiv oder schmarotzend gilt – Eigenschaften, die später den Juden angedichtet werden. Die als quasinatürlich angenommene Produktivität zur Begründung der Nation muss in diesem Zusammenhang als Essenz von Antisemitismus und Rassismus bestimmt werden. In diesem Sinne bemerkte Max Horkheimer, dass jene Ordnung, die 1789 als fortschrittliche ihren Siegeszug antrat, von Anfang an die Tendenz zum Nationalsozialismus in sich trug. Joachim Bruhn von der Freiburger „Initiative Sozialistisches Forum“ ergänzt in seinem Buch „Was deutsch ist“: „Hinter der bürgerlichen Gesellschaft des Vertrages lauert die Volksgemeinschaft der Artgenossen. […] Als antifeudale Revolution war sie genötigt, zwischen bloßen Staatsangehörigen und Staatsbürgern zu unterscheiden, als anti-internationale zwischen guten und schlechten Völkern. Das Proletariat, die Frauen, Kinder und Unmündigen, jeder, der kein Eigentum erwerben kann oder es sinnlos verschleudert, wurde aus der Gesellschaft der Rechtssubjekte ausgeschlossen: So schied sich das Volk von der Bevölkerung. […] Weil die bürgerliche Subjektivität auf dem Zwang zur Selbstverwertung des Individuums beruht, das sich, wie es die Erklärung der Menschenrechte will, als sein Eigentum betrachtet, darum ist die bürgerliche Gesellschaft strukturell antisemitisch und fundamental rassistisch.“ Die Nation soll mit jenen Menschen identisch sein, die eine Funktion in der Gesellschaft vorweisen können. Für die Krisenhaftigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse werden die vermeintlich nutzlosen Anhängsel verantwortlich gemacht, die jene als Organismus vorgestellte Gesellschaft belasten würden und als Auslöser des jeweils schon erwarteten wirtschaftlichen Crashs angesehen werden.
Doch damit nicht genug: Die kapitalistische Gesellschaft erfordert quasi die Spaltung des bürgerlichen Subjektes in Citoyen und Bourgeois, in Staatsbürger und Marktbürger. Damit sieht es sich einem dauerhaften Zweifrontenkrieg ausgesetzt: einerseits gegen das „unwerte Leben“, das zur Verwertung nicht tauglich oder fähig sei, andererseits gegen das „überwertige Leben“, das mit „dem Juden“ eine direkte Adresse für die Subjekte erhält, die von der so genannten Macht des Abstrakten beherrscht werden und um den Verlust ihrer Subjektivität fürchten. Als der Allgemeinheit verpflichteter Staatsbürger wittert das Subjekt allenthalben Anti-Staatlichkeit, als eigennütziger Marktbürger ergründet es jede Regung von Anti-Produktivität und ist vom Hass auf den Konkurrenten besessen.
Da der Warentausch unberechenbar und an der Wurzel krisenhaft ist, sieht sich auch der zum Volk zugehörige Teil der Bevölkerung gezwungen, seine Nützlichkeit beständig unter Beweis zu stellen. Den Staatsbürger umtreibt die Furcht vor der permanenten Gefahr des Scheiterns der Selbstverwertung, die seinen Ausschluss aus der Nation zur Folge hätte. Der Ausweg aus dieser unlösbaren Situation scheint die Beschwörung einer wesenhaft natürlichen Zugehörigkeit zur Nation, eines kollektiven Kriteriums der Staatsbürgerschaft, um der beständigen individuellen Beweislast der Nützlichkeit enthoben zu sein.
Dem Staat kommt hierbei die Rolle zu, jenes wesenhafte und naturwüchsige Kriterium der Zugehörigkeit zur Nation – die Staatbürgerschaft – zu garantieren und zu untermauern. Mittels der Staatsbürgerschaft besteht auch für die als unnütz Geltenden die Möglichkeit, zur Gemeinschaft der Produktiven zu zählen: vorausgesetzt sie unternehmen alles, um ihre potentielle Nützlichkeit unter Beweis zu stellen.
Das Subjekt im Kapitalismus
Anspruch der bürgerlichen Gesellschaft ist die Vorstellung, die Menschen würden als Herren ihres eigenen Willens selbstbewusst die Zukunft gestalten. Faktisch ist der Einzelne als Charaktermaske jedoch nur Rädchen im Getriebe der Verhältnisse, also Objekt. Gleichzeitig ist er aber auch ein Subjekt, das das Kapitalverhältnis konstituiert und mit jeder Handlung das als übermächtig empfundene Ganze reproduziert. Dass die Menschen selbstverschuldet immer ohnmächtiger werden, obwohl dies doch nach Stand der Produktivkräfte nicht sein müsste, führt dazu, dass die Subjekte nicht mehr die Erfüllung des gebrochenen bürgerlichen Glückversprechens einfordern, sondern den angeblich unschuldigen, tatsächlich aber nur auf andere Weise barbarischen, vorkapitalistischen Zustand als das Bessere verklären.
Uli Krug erklärt hierzu: „Das gebrochene Versprechen von Aufklärung und Bürgerlichkeit, die Stiftung vernunftgeleiteter gesellschaftlicher Reproduktion durch die jeweilige Vernunft der Einzelnen, der verlorene Preis, den es zu gewinnen galt durch die Herauslösung und den Verzicht auf die viehische Unschuld roher gesellschaftlicher Verhältnisse – das bereitet den Boden für den bürgerlichen Normaltypus des nachbürgerlichen Zeitalters, der aufklärerische Tugenden, Gewitzigtheit und Pragmatismus mit gegenaufklärerischer Sehnsucht und Wahnwitzigkeit amalgiert. Diese gestalten sich tatsächlich im doppelten Sinne atavistisch: Die Ohnmacht gegenüber den über das Individuum hereinbrechenden Folgen seiner warenförmigen Selbsterhaltung ist ihm, dem Herren über sich selbst, nicht nur Panik auslösende Gefahr, sondern auch eine unerträgliche Kränkung. Auf dieses schockartige Einbrechen der Gesellschaft in den Bezirk des eigenen Willens reagiert das gekränkte Subjekt mit Regression: Die zu Gunsten der abstrakten Herrschaft von Gesellschaft über ihre Partizipanten eben erst verworfene Vergemeinschaftung durch unmittelbare Herrschaft, eben die ‚Blutsurenge’ (Marx), erscheint nun plötzlich in dasselbe milde Licht getaucht, in dem Erwachsenen die Schrecknisse der kindlichen Unmündigkeit als begehrenswerter Zustand erscheinen; völlig ungeachtet dessen, dass damit die eigene Existenz als bürgerliches Subjekt negiert wird, dass der herbeigesehnte unschuldige, unmündige und voraufgeklärte Zustand nichts als den Tod bereithält. Diese Beanspruchung eines Garten Eden, der doch eigentlich die Hölle ist, verdankt sich der Abwehr dessen, dass das eigene Handeln ununterscheidbar mit der Kälte und Bedrohlichkeit des verallgemeinerten Tausches verknüpft ist.“
Damit einher gehen Prozesse, auf die die Formel der „pathischen Projektion“ – die „Übertragung gesellschaftlich tabuierter Regungen des Subjekts auf das Objekt“ – von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer verweist: Jene Triebe und Wünsche, die man verdrängt und sich versagt, werden anderen zugeschrieben. Was sich die Subjekte insgeheim ersehnen, gerät unter den aufgrund gesellschaftlich erzwungener Verdrängung zum Verhassten. Dieser „Hass führt zur Vereinigung mit dem Objekt, in der Zerstörung“. Bis zu diesem Punkt lässt sich also Folgendes festhalten: Antisemitismus kommt in der Vorstellung der Nation als naturwüchsigem Funktionszusammenhang zum Tragen, dessen Mitgliedschaft man nur durch die gelungene Selbstverwertung und den Nachweis der Nützlichkeit erlangen kann. Der Staat hat in diesem Zusammenhang die Aufgabe, die Selbstverwertung zu garantieren. Er erscheint als neutrale Anklageinstanz.
Deutschland als Exempel
Ob dieser Wahn jedoch ausgelebt wird, hängt sowohl von den polit-ökonomischen Rahmenbedingungen als auch davon ab, ob sich die Subjekte bewusst für die Strategie der Vernichtung entscheiden. Denn während man die warenproduzierende gesellschaftliche Unvernunft reproduziert, ohne wissen zu müssen, warum und wie deren einzelne Kategorien (Ware, Geld etc.) funktionieren, ist der Hass auf die Juden eine bewusste Entscheidung. Damit sind wir bei der Frage angelangt, was deutsch ist.
Das spezifisch Deutsche ist eine Konstellation, in der eine Nation aus der Not einer „verspäteten“ – im Vergleich zu den führenden Mächten Großbritannien, Frankreich und den USA – kapitalistischen Entwicklung eine Tugend macht und der Staat aufgrund der Nichtexistenz eines selbstbewussten Bürgertums zunächst die Initiative der gesellschaftlichen Modernisierung ergreift und inmitten der Krise mit der anti-bürgerlichen und antisemitischen Volksbewegung verschmilzt. Joachim Bruhn hierzu: Die „deutsche Form der Kapitalisierung zeichnet sich dadurch aus, dass der Staat von Anfang an als Treuhänder von Kapital und Arbeit zugleich auftritt. Es ist dieser Staat, der sich, im Verein mit einer etatistischen Arbeiterbewegung, die den Klassenkampf von 1848 an nur im höheren Interesse des sozialen Friedens und der recht verstandenen Staatsidee führte, über den Sozialstaat zum Staat der Volksgemeinschaft entwickelt. Darin sind Kapital und Arbeit unter der Ägide des Staates zum Block verschmolzen, und darin wird die Lohnarbeit sich ihres Status als ‚variables Kapital’ bewusst, als Fleisch vom Fleische.“
Eine Voraussetzung für den Staat der Volksgemeinschaft ist die Zusammenbruchskrise des Kapitals in den 1920er Jahren. Eine weitere Bedingung ist ein Krisenbewusstsein der Subjekte, die sich mit dem Staat als Nothelfer und Anklageinstanz lange vor Ausbruch der Krise identifizieren. In der Situation des Zusammenbruchs formieren sich Mob und Elite schließlich zur nazistischen Volksgemeinschaft, die sich durch die Feindschaft zu den Juden konstituiert.
Die Juden werden mit der abstrakten Seite des Kapitalverhältnisses, die für die Krise verantwortlich gemacht wird, identifiziert: Wert, Zirkulationssphäre, subjektlose Herrschaft. Der Bogen ist damit geschlagen, um sie als Schuldige der eigenen Misere zu bestimmen.
Der Staat, von dem hier die Rede ist, entspricht dem Massenbewusstsein und wird gerade deshalb wieder zum Kollektiv, zur Massenorganisation. Mit anderen Worten: Der Souverän in Gestalt des Führers muss die ideelle Verkörperung des Seelen- wie Geisteszustandes der Massen sein, jemand, der die Charaktere von „King-Kong und Vorstadtfriseur“ (Theodor W. Adorno) in sich vereint und so die Fähigkeit hat, den Wahn jedes einzelnen Volksgenossen zur politischen Bewegung zu transformieren.
Wir kommen damit zum Kern des Gegenstandes antideutscher Kritik: der negativen Aufhebung des Kapitals auf seiner eigenen Grundlage. Der Volksgemeinschaftsstaat liquidiert das Kapital als Verhältnis widerstreitender Interessen. Staat und Kapital verschmelzen zum „Staatssubjekt Kapital“. Dieses Staatssubjekt Kapital erzwingt sich, wie Heinz Langerhans 1934 erklärte, „das Monopol auf Klassenkampf“; „eine rücksichtslose soziale Pazifierungsaktion mit dem Zweck der ‚organischen’ Einfügung des Kapitalteils Lohnarbeit in den neuen Staat wird eingeleitet“. Was den Nationalsozialismus allerdings zur reinsten Form der schon beschriebenen anti-bürgerlichen Tendenz macht, die die bürgerliche Gesellschaft im Zeichen der Krise produziert, ist die Verwandlung der Gesellschaft in ein Selbstmordkollektiv. Die Gesellschaft wird zur Zusammenrottung selbsternannter Opfer, die, den eigenen Untergang vorwegnehmend, nur noch auf eins hinsteuert: die Vernichtung derjenigen, die als die Urheber der eigenen Misere ausgemacht werden. In der Vernichtung der Juden verschmelzen Mittel und Ziel miteinander. Hitlers Lieblingskomponist Richard Wagner gab auf die Frage „Was ist deutsch?“ dementsprechend schon im 19. Jahrhundert die kurze und treffende Antwort: „Deutsch ist, eine Sache um ihrer Selbst Willen zu tun.“ Der Massenmord an den Juden ratifiziert schließlich die Verschmelzung von Arbeit und Kapital bzw. Staat und Kapital. Sie ist, wie Joachim Bruhn schreibt, das „kollektive und klassenübergreifende Geschichtsverbrechen“, das den „Grundwiderspruch von Arbeit und Kapital“, von dem traditionelle Marxisten sprachen, „zum systemimmanenten Motor der Akkumulation transformiert“.
Wenn in diesem Zusammenhang von Volksgemeinschaft gesprochen wird, bedeutet dies keineswegs die Schaffung einer homogenen und befriedeten Masse. Da es keine, wie im bürgerlichen Staat üblich, einheitlich ausgeübte politische Gewalt gibt, spricht Franz Neumann von einem Un-Staat, einem Behemoth, den Thomas Hobbes in seiner berühmten Schrift von 1651 als Gegenbild zum Leviathan, dem modernen zentralistischen Staat verstanden wissen wollte. Einzelne Machtgruppen wie Militär, Partei, Bürokratie führen einen unermüdlichen Machtkampf um politische Entscheidungen, deren Zustandekommen in höchstem Maße informell ist. Dieser Konkurrenzkampf setzt sich bei den Einzelnen fort, die darauf bedacht sind, jene Abweichler zu identifizieren, denen in Sachen Bereitschaft zur Vernichtung und zum Opfer mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellt wird. Es gibt kein über den Gruppen stehendes Organ, das so etwas wie Berechenbarkeit garantiert. So wird das abstrakte bürgerliche Recht u.a. durch den deutungsreichen Führerbefehl ersetzt; den Volksgenossen bleibt nur die Möglichkeit, den Führerwillen zu erahnen. Die Vermittlungen bürgerlicher Herrschaft sind beseitigt. Jedoch bleibt das Gewaltmonopol des Staates unangefochten, wenn auch unklar bleibt, welche Instanz letztlich dessen Verkörperung ist. Max Horkheimer hat für eine solche Konstellation den Begriff der Racketherrschaft eingeführt, der auf jene bandenförmigen Strukturen verweist, die auf unmittelbarer Herrschaft basieren. Persönliche Abhängigkeiten werden ausgebaut und ausgespielt, jeder kann in Verdacht geraten, den Bandenkodex zu verletzen und das vorgegebene Ziel nicht effektiv genug zu verfolgen. Jene widerstreitenden Kräfte bilden im Nationalsozialismus letztlich eine Einheit anarchischer Rackets und absolut geltendem Gewaltmonopols; sie bilden die deutsche Form des permanenten Ausnahmezustandes, die Einheit im Chaos.
Der zweite Teil dieses Textes erscheint in der nächsten Ausgabe der Bonjour Tristesse.
Das ist kurios.
Und was ist nun AntiDeutsch? Was wollen AntiDs??
an die kommentatoren: amüsant, wenn personen noch immer eine einfache struktur in einer komplexität fordern.
vielleicht macht es in eurem falle sinn sich die zugehörigen anderen teile durchzulesen, dann nochmal die überschrift jenes textes und sich nicht mit verschränkten armen fußstampfend hinzustellen und sich verweigern inhalte und das dort geschriebene selbst du hinterfragen und seine eigene position zu formulieren.
aber hej, in eurem falle hilft wahrscheinlich nur eins: schreibt doch einen leserbrief an die redaktion. fordert dort konkret eine inhaltliche menükarte für das sog. „antide-spektrum“. vielleicht wird dann bei der ich-überklebe-meine-schwarze-windbreakermarke-mit-gaffa-antifa
zumindestens einen ansatz an selbstreflektion in gang getreten wird. bon appetit.
Habt ihr’s nicht ein noch bißchen ausführlicher?
Gerade mal 14700 Zeichen im ersten Teil, da muß der Leserin noch nicht alles klar sein…
Das erinnert auch sehr an die gute alte Epizykeltheorie, die wurde auch immer weitschweifiger, je mehr man sie in Zweifel zog.
Und Reflexion wird mit x geschrieben;
bitte, gern geschehen