Über Peter Sodann, den wohl berühmtesten lebenden Hallenser, ist in den letzten Monaten viel geschrieben worden. Auch die Bonjour Tristesse brachte es in der Vergangenheit kaum fertig, den Mann einfach einen durchschnittlichen hallischen Rentner sein zu lassen. Zumindest in Kurzform widmeten wir ihm regelmäßig unsere Aufmerksamkeit. Dieser Tradition verpflichtet, soll unseren Lesern nicht verheimlicht werden, dass Herr Sodann es im Sommer auf die bekannten A3-Plakate schaffte, auf denen die „Bild“-Zeitung an Kiosken und Zeitungsautomaten – jeden Tag aufs Neue – die umsatzsteigerndste regionale Neuigkeit der Umgebung preisgibt: An einem Sommertag sollte die Schlagzeile „Sodann erpresst Halle“ das Prekariat zum Kauf des Blattes ermuntern. Auch wir schlugen zu. Peter Sodann und Stefan Schulz (CDU), ein nicht nur äußerlich unansehnlicher Mensch, hatten als Zentralkomitee des Vereins „Halle gegen Graffiti“ einen offenen Brief an alle Mitglieder des hallischen Stadtrates geschrieben. Darin wurden diese aufgefordert, dem Verein beizutreten. Anderenfalls hätten sie ihre Weigerung gefälligst öffentlich zu begründen. Hintergrund des Briefes war offenbar ein von der Stadt genehmigtes bundesweites Treffen von Graffiti-Künstlern, das sogar die Bundespolizei dazu veranlasste, Bürger vor „illegalen Schmierereien in der Umgebung solcher Contests“ zu warnen. Doch selbst die hallischen Stadträte zeigten dem Verein die kalte Schulter und sprachen mehrheitlich von „Dreistigkeit“ und einem „abwegigen“ Gebaren der ansonsten recht beliebten Anti-Graffiti-Krieger. Doch der Verein ist offenbar auch ohne die Mitglieder des Stadtrates derart erfolgreich, dass er seine Internetpräsenz seit einiger Zeit eingestellt hat. Das regelmäßig vorgetragene Postulat, Halle gehöre zu den Hochburgen der Szene in der Bundesrepublik (50 Prozent der Gebäude sollen von Graffiti betroffen sein), steht im Widerspruch zum gleichzeitigen Betonen der erfolgreichen Arbeit des Vereins – und ist dennoch ein seit Jahren mit Sicherheit vorkommender Textbaustein einschlägiger Pressemitteilungen. Daran und an stetig steigenden Fallzahlen (2006: 1475; 2008: 2216) hat sich trotz der aufopferungsvollen Arbeit von Peter und seinem Freund Stefan noch nichts geändert.
Wenn man uns nach einer wirkungsvollen Methode fragen würde, Graffiti in Halle einzudämmen, wäre die Antwort kurz: Sodann, Schulz und, wenn möglich, Claudia Roth müssten einfach behaupten, es sei „hip“. Das geht schnell, wird verstanden und die hallischen Graffiti-Crews würden anfangen, sich für Verkehrsplanung, die Inbetriebnahme städtischer Springbrunnen und die „Bestimmungen der EG VO 1370/2007 bei Direktvergaben im Öffentlichen Personennahverkehr“ zu interessieren. Zum Nachteil ortsansässiger Hausbesitzer ist bisher jedoch noch niemand an uns heran getreten. (mab)
[...] Wahnsinn, Kuriositäten und Erfreuliches aus der Provinz: United we drink, U can’t touch this, Sanfter Druck, Sex sells?, Mal ganz unbefangen…, Reißt Euch am Riemen!, Hallische Sternstunden, Brown Bull, [...]
[...] die ohnehin empfehlenswerte zeitschrift bonjour tristesse berichtet in der neuen ausgabe unter anderem in einem kurzen artikel über peter sodann & den „verein halle gegen graffiti“, sowie von diesem vergeblich ausgeübten druck auf die mitglieder des stadtrates. zum artikel [...]