hat sich die Redaktion der Jenaer Studentenzeitung „Unique“ in diesem Jahr ganz heißen Eisen zugewandt. Nachdem im Januar ein „Mitglied des Nationalen Widerstandes“ über ganze zwei Seiten so viel Unsinn erzählte, dass er vermutlich nicht einmal in der „Nationalzeitung“ gedruckt worden wäre, wartete für die Frühjahrsausgaben eine höhere Aufgabe auf den Chefredakteur Fabian Köhler: der „Nahost-Konflikt“. Mit der Februarausgabe begann das Unterfangen, „unkommentiert und unbefangen Opfer und Täter (!) zu Wort kommen [zu] lassen“.
Zunächst begnügte man sich damit, den stellvertretenden Vorsitzenden der „Jüdischen Landesgemeinde Thüringen“, Ilja Rabinowitsch, für die israelische Offensive gegen die Hamas in Geiselhaft zu nehmen. Das entspricht in etwa der Logik, einen deutschen Protestanten zum Umgang mit den Katholiken in Nordirland zu befragen und diesen dafür haftbar zu machen. Köhler, der selbst als Betreiber einer antiisraelischen Homepage (ism-germany.net) vom islamistischen Portal muslimmarkt.de interviewt wurde, führte dann für die nächste Ausgabe ein Interview mit Khalid Amayreh durch, der u. a. für die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA und das „Palestinian Information Center“ aus dem Umfeld der Hamas tätig ist. Amayreh, der Anfang 2009 selbst von der Fatah-kontrollierten palästinensischen Autonomiebehörde wegen der Verbindung zu Hamas und Islamischen Jihad vorübergehend inhaftiert wurde, spult auf drei Seiten dann auch die gesamte Bandbreite des islamischen und arabischen Antisemitismus ab, ohne auch nur den Hauch einer kritischen Intervention von Seiten des Chefredakteurs. „Kernursache“ des Konfliktes sei, so Amayreh, „das Einpflanzen Israels in Palästina durch den Westen“: Die europäischen Juden wären nach Palästina gekommen, „um die indigene muslimische und christliche Bevölkerung zu verdrängen und zu ersetzen“. Mittel dazu sei der Zionismus gewesen, der kurzerhand zu einer „rassistischen Bewegung im Stile der faschistischen Ideologien Europas“ zurechtgelogen wird. Israel sei „eine Vergewaltigung seit seinem ersten Tag“. Etabliert habe sich durch „ethnische Säuberungen“ und „Massaker“ „ein atomares Israel“, das überdies die amerikanische Regierung kontrolliere.
Weiter im Text: „Israel an sich“ – also völlig gleich, wie es seine aktuelle Politik gestaltet – „ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Somit sei „Widerstand gegen dieses kolossale Verbrechen eine moralische Verpflichtung für alle gewissenvollen Menschen“. Der auch in der deutschen Linken beliebte Verweis auf die Juden als die neuen Nazis darf aus der Perspektive eines „Opfers“ selbstredend nicht fehlen: „Die Hamas auf eine Stufe mit der israelischen Armee zu stellen“, sei ungefähr so, „als setzte man jüdische Widerstandskämpfer mit der deutschen Wehrmacht, der SS und der Gestapo im Dritten Reich gleich“. Die „wahllosen Raketenangriffe“ seien als „verzweifelte Antwort auf die nazihafte Blockade, welche Israel über Gaza verhängt hat“, zu verstehen. So könne die Situation „wirklich mit der Nazi-Belagerung des Warschauer Ghettos verglichen werden.“ Doch damit nicht genug: „Letztendlich bleibt Israel ein verbrecherischer Staat. Haben verbrecherische Regime ein Existenzrecht? […] Meiner Meinung nach haben Nazis kein Existenzrecht.“
So offen ist wohl selten das antisemitische Gebrüll eines „indigenen“ Palästinensers publiziert worden. In der hallischen Studentenpostille „Hastuzeit“ dagegen ist der stellvertretende Chefredakteur der „TAZ“, Peter Unfried, der Meinung, „der Vorwurf des Antisemitismus ist auf der Grundlage des Interviews nicht angemessen“. Das verwundert kaum, finden sich solche Positionen im ehemaligen Regierungsblatt in subtilerer Form ebenso.
Einzelne Stimmen im Jenaer Studentenrat, die Konsequenzen für das von studentischen Beiträgen finanzierte Blatt forderten, konnten sich nicht durchsetzen. Während der Rektor erfreulicherweise die finanziellen Mittel für die „Unique“ drastisch kürzte, sieht man seitens der Studierendenvertretung keinen Handlungsbedarf. In einem ersten Anflug von Restvernunft beschloss der Stura zwar eine halbherzige Etatkürzung von fünfzig Prozent, die jedoch postwendend wieder zurückgenommen wurde. Dabei beriefen sich die Studentenvertreter mehrheitlich auf ein vermeintlich undemokratisches Vorgehen, welches de facto die Zensur eines freien Presseorgans bedeuten würde. Der kurz zuvor beschworene Anspruch, als Stura kein Publikationsorgan für Nazis zu finanzieren, spielt im Falle eines „indigen“-palästinensischen Antisemiten offensichtlich keine Rolle. (mm)
jetzt hat wohl die antifa nachgeholfen.
http://de.indymedia.org/2009/10/264267.shtml