Ein Redakteur des örtlichen Freien Radios kontaktierte die Redaktion kürzlich mit folgendem, in voller Länge wiedergegebenem Anliegen: „Habt ihr nicht mal Lust zu uns ins Studio zu kommen? Ich meine das Ernst!“ Auf die Frage, um was es eigentlich ginge, was wir in diesem Studio sollten, und ob es wenigstens Kaffee und Pizza gäbe, antwortete der Starreporter neben der Bekanntgabe einiger persönlicher Lebensumstände in einem etwas eigenwilligen Satzbau folgendes: „Natürlich über eure Zeitschrift sprechen. Also warum ihr das tut, was ihr damit erreichen wollt und natürlich warum ihr Halle liebt und so toll findet?“ Uns widerstrebte, darauf ernsthaft zu antworten, weshalb wir es vorzogen, den Kontakt zu beenden. Doch der Mann war hartnäckiger, als wir zunächst annahmen („Wie sieht es denn bei euch aus? Nächsten Montag 9:15 Uhr bei Radio Corax?“), was uns dazu bewegte dann doch etwas ausführlicher zu antworten:
„Wir hatten eigentlich gehofft, dass Du es nach unserer Nicht-Reaktion auf Deine letzte Anfrage auf sich beruhen lässt. Da Du ansonsten möglicherweise keine Ruhe gibst, hier doch noch eine Antwort:
Man kann eine Zeitschrift ansehen, man kann sie lesen, man kann über einzelne Artikel diskutieren – aber über eine Zeitschrift ‚sprechen‘ oder ‚berichten‘, wie wir es in Deiner Sendung tun sollen, ist etwa so sinnvoll wie die einschlägigen Sendungen, in denen Alfred Biolek über sein neues Kochbuch berichtet, Bully Herbig seine aktuelle CD in die Kamera hält oder Sara Kuttner darüber zu informieren versucht, dass sie wider Erwarten in einer Schule war und das ABC nicht ganz verschlafen hat. Soll heißen: Das Ziel einer Zeitschrift erschließt sich aus ihren Texten. Alles andere erinnert an die berüchtigten Friend-Books, in denen sich Halbwüchsige über ihr Lieblingsessen, ihr Haustier oder ihren Schwarm berichten: Die Mädchen träumen ein bisschen von ‚la dolce vita‘, einem netten ‚Boy‘ oder ‚Romance‘; die Jungs geben den Albernen und schmieren das Heft mit Witzchen voll. Eröffnet sich das Ziel einer Zeitschrift nicht über ihren Inhalt, dann ist sie entweder schlecht gemacht. (Aufgrund unseres gesunden Selbstbewusstseins und der einschlägigen Hate-Mails von empörten Hallensern, nationalen Linken, Nazis, Kommunistenfressern, Zivilisationsfeinden usw. – von Leuten also, die unser Ziel durchaus richtig verstanden haben –, schließen wir diese Möglichkeit allerdings aus.) Oder es liegt am Leser. Für die ganz Dummen haben wir unsere Ambitionen dementsprechend sicherheitshalber in der ersten Ausgabe der Bonjour Tristesse ein erstes und letztes Mal zusammengefasst. Du kannst es gern auf unserer Homepage nachlesen.
Wir stehen mit anderen Worten nicht für ein Interview ‚über‘ die Bonjour Tristesse zur Verfügung. Zu einem Gespräch über einzelne Artikel, Artikelfolgen usw. sind wir und unsere Autorinnen und Autoren allerdings durchaus bereit. Aber auch hier gibt es eine Einschränkung: nicht mit Dir. Der Grund: Zu einem Radiogespräch gehört nicht nur ein gewisses Maß an Vorbereitung (Stichwort: Lesen der Selbstverständniserklärung seiner potentiellen Interviewpartner), sondern auch an Professionalität. Und diese Professionalität ist eben nicht gegeben, wenn man, wie Du in Deinem Interview mit dem ‚Bahamas‘-Redakteur Justus Wertmüller, Deinen Gegenüber als ‚wirr‘ bezeichnest und ihm im Nachhinein per Internet-Forum und Blog mitzuteilen versuchst, dass Du seine Aussagen für ‚gequirlte Sch****‘ hältst. Das heißt nicht, dass wir nur mit Leuten sprechen wollen, die hundertprozentig teilen, was in der Bonjour Tristesse steht. Aber wer sein Mitteilungsbedürfnis über das, was in seinem Bauch oder in seinem Rückenmark vorgeht, so wenig unter Kontrolle hat wie Du; wer seinen bauchlinken Freunden jenseits aller professionellen Selbstbeschränkung also unbedingt signalisieren muss, dass er einer von ihnen ist, der kommt für uns nicht als Gesprächspartner, sondern allenfalls als Gegenstand der Kritik in Frage.
Mit freundlichen Grüßen,
Bonjour Tristesse“.
Ihr seid das lebendige Beispiel dafür, dass die Zone doch noch lebt
. Weiter so !
Grüße aus dem Ruhrgebiet, aus der Provinz!