Es ist noch nicht allzu lange her, dass die hallische Kulturkamarilla ein Erbarmen hatte und Peter Sodann als Intendant des „Neuen Theaters“ den Laufpass gab und auch der „Mitteldeutsche Rundfunk“ (MDR) dem „Tatort“-Publikum nicht weiter das Gesülze des larmoyant jammernden „SuperIllu“-Superstars zumuten konnte. Es schien, als würde man in Zukunft nicht weiter von der selbsternannten „Stimme des Ostens“ belästigt werden, bzw. dass die Gefahr lediglich von einem einsamen Spaziergänger ausginge, der mürrisch die neuesten Brechtzitate vor sich hin brabbelt. Auch wir sahen uns ja bereits veranlasst, in einer der letzten Ausgaben einen Nachruf abzudrucken. Doch weit gefehlt! Bekanntlich steht zum Mai 2009 der Arbeitsplatz des Bundespräsidenten zur Disposition, eine Stelle, die für jeden vernunftbegabten Menschen allein schon wegen der schlechten Außenwirkung abzulehnen wäre. Doch die üblichen Jobagenturen SPD und CDU stehen mit ihren Bewerbern bereit, und auch „Die Linke“ benennt mit Peter Sodann zum ersten Mal einen Kandidaten. In seinen daraufhin öffentlich aufgeführten Bewerbungsgesprächen macht der ideelle Gesamt-Ossi vor allem eines deutlich: dass er diesen Titel auch verdient. Sein zwischen allerlei selbstdarstellerischem Gefasel („wissen Sie, ich löse jeden Morgen auf der Toilette zwei Kreuzworträtsel“) durchscheinendes Wahlprogramm ist sowohl mit deutschen Stammtischen als auch mit dem der NPD kompatibel. Letztere sicherte spontan jegliche Unterstützung zu, bewundert Peter Sodanns „Tabubrüche“ und würde ihn am liebsten „umarmen“. Vor allem seine Allmachtsphantasien bezüglich einer Polizeigewalt gegenüber Bankern und Managern – sein größter Wunsch ist es, Josef Ackermann zu verhaften – und sein Hass auf Amerika werden fraktionsübergreifend ignoriert. Hingegen arbeitet sich Kritik an seinen Äußerungen zumeist nur daran ab, dass er aufgrund seines Demokratieverständnisses – nach welchem der Bundespräsident „die Seele seines Volkes ausdrücken“ und der unvermittelte Vollstrecker des Volkswillens sein muss – nicht in der Lage sei, „Deutschland zu repräsentieren“ und er die „Würde des Amtes beschädige“.
George W. Bush und sein Nachfolger dürfen sich allerdings vor Schwafel-Attacken in Sicherheit wiegen, denn Sodann erklärte in der Manier eines bockigen Kleinkindes, dass er mit dem Präsidenten der USA gar nicht reden will. Nach Meinung der Bonjour Tristesse ist dies wiederum höchst unfair, denn es wäre schön, wenn er seine dahingehende Absichtserklärung auch auf die restliche Menschheit ausdehnen und einfach die Fresse halten würde.