The same procedure …
as every day. Wahnsinn, Kuriositäten und Erfreuliches aus der Provinz.
„Gänsehaut pur“
In „Bonjour Tristesse“ Nr. 3/2007 berichteten wir über das hallische Stadtmagazin „Aha“. Grund hierfür war einerseits die von dem Blatt damals zur Schau gestellte unerschütterliche Liebe zu Deutschland. Eher am Rande – unsere Erwartungen solchen Publikationen gegenüber sind gering – kritisierten wir die zunehmende inhaltliche Verflachung des einst vergleichsweise innovativen Projektes. Im Frühling kündigten die „Aha“-Redakteure dann großspurig ein „Relaunch“ des Heftes an: Von nun an sollten – so die Redaktion – die „Texte kürzer“, die „Bilder größer“ und überhaupt alles „bunter, schneller, lauter“ werden. Was an einem Papierheft „schneller“ und „lauter“ werden kann, verraten die gewitzten Wortakrobaten nicht. Als sich nach der ersten „relaunchten“ Ausgabe die Kritik häufte (nur 21% fanden das Heft nach einer Umfrage besser, die Mehrheit der online abgegebenen Kommentare enthielten vernichtende Kritik) und diese bis in die Redaktionsstuben im wunderschönen Halle/Ost vordrang, wurde von den Verantwortlichen zum Verteidigungsschlag ausgeholt. Man wolle – so das Editorial – ein Heft „für viele Hallenser, und nicht nur für einen kleinen Zirkel von Auserwählten“. Und weil zur Stiftung von Gemeinschaft immer auch der Ausschluss Gemeinschaftsfremder gehört, wurden die Anmerkungen der Kritiker als „arg unkonstruktiv“ zurückgewiesen und deren Bemerkungen als avantgardistische ergo volksferne Zungendrescherei abgetan. Denn: Der „Blick von oben herab ist uns fremd“. Das glauben wir gern.
Es ist kein Geheimnis, dass mit dreiseitigen Hackfressenparaden betrunkener Diskoprolls, mit „Nadine von der Jump Morningshow“, die nach einem kurzem Gespräch mit Lenny Kravitz im Heft über dieses Ereignis interviewt wurde („Als wir am Ende ein Foto machten, hat er sich sogar ein bisschen angekuschelt. Das war Gänsehaut pur.“), mit „großen Bildern“ und „kürzeren Texten“; kurz: mit finsterster Provinzialität sich eine größere Leserschaft erreichen lässt, als mit einfallsreichem und kritischem Journalismus. Es wird abzuwarten sein, inwiefern die banale Wahrheit – je anspruchsloser und dümmer, desto erfolgreicher – von den „Aha“-Redakteuren weiter ausgereizt wird. Viel Spielraum ist jedenfalls nicht mehr.
Für Menschen mit intakten Denkfunktionen bleibt es ohnehin dabei: Die mit Abstand vernünftigste in Halle erscheinende Publikation ist die „Bonjour Tristesse“. Auch ohne große Bilder.
Schwarz-rot-goldene Erweckung
Bereits vor zwei Jahren, als die Fußballweltmeisterschaft in der BRD stattfand, ergab sich ein bis dahin neues Bild: bei sportlichen Großereignissen mit deutscher Beteiligung sind es nicht mehr nur gestandene Neonazis, ostzonale Prollväter oder hessische Kleingärtner, die sich ganz unverschämt mit schwarz-rot-goldenen Devotionalien eindecken, sondern nahezu alle! Jugendliche Hippies, 50-jährige in Kartoffelsäcken gekleidete Öko-Muttis, der alternative Technofan von nebenan und der Wursthaarkommilitone bekennen sich ganz unverhohlen, „unverkrampft“ und scheinbar friedlich zu Deutschland. Dieser „gesunde Patriotismus“, wie diese Erweckung gerne genannt wird, war auch bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in voller Gänze zu beobachten. Was hier also so locker als das Feiern eines großen Fußballfestes daher kommt, hat allerdings stets eine bedrohliche Note. Die massenhafte schwarz-rot-goldene Formierung des Mobs aus Studenten, Mittelständlern und ganz gewöhnlichen Hooligans kann jederzeit in Gewalt gegen alles Fremde oder „Undeutsche“ umschlagen. Wie wenig von der friedlichen Fassade der Deutschland-Fans während der EM übrig blieb, konnte man in der hallischen Innenstadt – vor allem in der Großen Ulrichstraße – beobachten, die zu jedem Spiel der deutschen Mannschaft noch mehr in eine Mob-Zone verwandelt wurde als an gewöhnlichen Wochenendabenden. Besoffene HFC-Fans, Schnauzbartträger und Neustadt-Prolls marodierten umher und warteten dabei nur auf den geringsten Anlass um loszuschlagen. Meist kulminierte das in Schlägereien zwischen verschiedenen Gangs. Ausländer, Punks und Schwule waren gut beraten, sich dort nicht sehen zulassen. Doch auch jenseits des Freigeheges für Prügelwillige lagen angeblich „gesunder Nationalstolz“ und aggressiver Chauvinismus sehr nahe beieinander.
Bei verschiedenen Public-Viewing-Veranstaltungen konnte man live erleben, wie unzählige Menschen weniger das deutsche Team als sich selbst und ihre Nation anfeuerten. Im „Volkspark“ etwa – der gerade an solchen Tagen seinem Namen alle Ehre macht – erschienen mehr als 1.000 Menschen (Studenten, Alternative und Anwohner) zum gemeinsamen Erlebnis. Fans der gegnerischen Mannschaft, die sich zu diesem Fest verirrten, schlug die pure Aggression entgegen. Dass es im „Volkspark“ nicht zu Gewaltausbrüchen kam, lag allerdings vor allem daran, dass es kaum jemanden gab, der nicht auf die DFB-Elf – oder besser: Deutschland – hielt. Die ganze Bedrohlichkeit einer solchen Veranstaltung wurde spätestens dann wieder deutlich, als 1.000 Menschen grölten „Steh’ auf, wenn du ein Deutscher bist!“ und kaum jemand sitzen blieb. Im Verlauf des Turniers steigerten sich der nationale Taumel und die Aggressivität der Deutschlandfans stetig. Nach dem Halbfinale gab es in der hallischen Innenstadt mehrere Schlägereien. Neun Polizisten wurden verletzt. Im Steinweg warf ein Betrunkener Porzellan aus dem Fenster seiner Wohnung, dabei wurde eine Person verletzt. Im Anschluss an das Finalspiel, das Deutschland verlor, griffen am Universitätsring dutzende Fußballfans Polizisten mit Flaschen und Steinen an. Immer wieder wurden dabei Naziparolen gegrölt. In Halle-Neustadt waren es sogar 400, die gewaltsam vorführten, dass die Mischung aus Fußball, Nationalismus und Gewalt in Deutschland stets zusammen gehört. Obwohl man als Kritiker genügend Gründe aufführen kann, warum jegliches Wir-Gefühl – besonders in seiner deutschen Form – kategorisch abzulehnen ist, ist es dennoch beeindruckend, wie sehr solche Momente in einem Wut und Angst auslösen können.
Bereits 1931 wusste Kurt Tucholsky: „Nie geraten die Deutschen so außer sich, wie wenn sie zu sich kommen wollen.“ Aus eben diesem Grund war der ganze Klamauk kein harmloses Spektakel, sondern der Vorschein auf das, was sein kann. Auch wenn nach der EM die Fahnen wieder verschwanden, bleibt, wie schon bei der WM vor zwei Jahren, das Wissen um das riesige regressive Potenzial hängen, das bei Bedarf jederzeit wieder genutzt werden kann.
Fanpost
Die „Bonjour Tristesse“ hat Fans bekommen, die der Redaktion gar nicht so recht sind. In einer der letzten Ausgaben berichteten wir über die hallische Punkband „Süffig-Würzig“, die sich inzwischen in „Foidal“ umbenannt hat. Angesichts der Aussage der Band, es nicht länger „tollerieren“ zu wollen, wenn Vaterlandsfeinde Deutschland „mit Scheiße beschmieren“ (O-Ton ihres Liedes „Aktion-Reaktion“), bezeichneten wir die Bandmitglieder als das, was sie sind: Nazipunks. Nach Erscheinen der Ausgabe erhielten wir einen Fanbrief der Band. Darin bestätigten die Bandmitglieder unfreiwillig, was wir angesichts ihrer Texte ohnehin vermuteten: Sie bewegen sich seit circa 25 Jahren in einer der vier frühkindlichen Entwicklungsphasen. Mit der Drohung, ihr „Gesäß“ über uns „verneigen“ zu wollen, verrieten sie uns auch in welcher: der analen. Auch das hätten wir uns angesichts ihres Liedes „Ich bin koprophag, weil ich Scheiße mag“ (kein Witz!) oder ihrer Angst, Deutschland könnte mit Fäkalien „beschmiert“ werden, eigentlich denken können.
Darüber hinaus schien die Band Angst zu haben, unser Nazipunk-Vorwurf könnte von unseren Lesern als Alarmismus oder Übertreibung gewertet werden. In aufrichtiger Sorge um unsere Reputation hat sie sich daher bemüht, ihn zu bestätigen: Während die Band bis dahin „nur“ aus ganz normalen deutschen Volltrotteln mit nazikompatiblem Humor bestand, hat sie sich mit Sven „Tommy“ Schwarz nun einen klassischen Nazi als Sänger angelacht. Schwarz war nicht nur Mitbegründer der sachsen-anhaltinischen Gliederung der inzwischen verbotenen Neonaziorganisation „Blood and Honour“, sondern auch Mitherausgeber der „Blood-and-Honour“-Zeitschrift „The New Dawn“ sowie Autor der Nazi-Eso-Heftchen „Das Herrenhaupt“ und „Die Tat“. Um den seligen Willy Brandt zu zitieren: Damit wächst zusammen, was zusammen gehört.
Fatwa gegen Ärsche
Schon Wochen vor der Party „Du hast den … Arsch der Welt“ in der hallischen Großraumdisko „Easy Schorre“ wird man hundertfach von den Werbe-Plakaten dieser Veranstaltung belästigt. Neben einem das halbe Bild einnehmenden weiblichen Hinterteil, sieht man eine als pornofilmtaugliche Krankenschwester verkleidete Frau neben einem Zuhältertypen stehen. Daneben heißt es etwas agrammitakalisch „Zeig mir dein (!) Arsch!“. Insgesamt also eine unappetitliche Veranstaltung in einer ohnehin unappetitlichen Disko, die man getrost ignorieren könnte. Johannes Spengler, ein besorgter Christenmensch, sah dies allerdings nicht so: In einem Brief an die evangelischen Gemeinden wandte er sich an die „liebe[n] Brüder und Schwestern in Jesus Christus“. Er beklagte, dass die „Easy Schorre“ „ungeniert ihre Obszönitäten“ verbreite. „Vor 19 Jahren gab es dafür noch den Begriff ,Schund und Schmutz’, nun nennt man es die ,Freiheit des mündigen Bürgers’.“ Da ja niemand die „Freiheit des mündigen Bürgers“ möchte, wird unser Pfaffe aktiv. Er fragt: „Was sagen wir als Christen dazu? […] Sind wir als Christen nicht auch Staatsbürger?“ Diese Fragen bewegten ihn schon lange, da schließlich dieses Plakat nur die Spitze des Eisbergs sei „bzw. das Glied in der Kette von Abartigkeiten und Perversitäten, die uns täglich die Seele belasten und verschmutzen“. Es besteht also Handlungsbedarf! In der Manier einer linken, antisexistischen Gruppe ruft der verklemmte Kirchgänger zu dem auf, was mehr als nahe liegt: Denunziation. Er nennt es „Stimme erheben“, „intervenieren“ und „protestieren […] gegen diesen Schmutz!“. Er selbst hat schon mehrfach versucht, als Tugendwächter aktiv zu werden. Vor einigen Jahren habe er schon einmal beim Ordnungsamt gegen die Werbung der „Easy Schorre“ protestiert. Damals habe ein Pfarrer sinngemäß gesagt: „Den Scherbenhaufen dieses Schmutzes dürfen wir als Kirche dann in der Seelsorge wegräumen“. Ganz offenbar sind hier die Seelen der Pfaffen selbst gemeint, die in einer Art Selbsthilfegruppe versuchen, den Schmutz aus ihrem Inneren zu verbannen. Dies funktioniert jedoch nicht auf Dauer. Bei einem solch bedrohlichen Anblick wie dem eines Hinterns müssen nun härtere Geschütze aufgefahren werden: Die gesamte evangelische Gemeinde soll nun die zuständigen Behörden nerven. Die Adressen von diversen städtischen Behörden, eines Werbevertriebes und eines Polizeireviers werden gleich mitgeliefert. Das Ziel sei ja schließlich, „Halle zum Guten [zu] verändern“. „Bonjour Tristesse“ wünscht viel Erfolg!
Folklore Blau-Weiß
Was den Hallensern zu Israel einfällt, konnte Anfang Mai auf dem Markt beobachtet werden. Mit großem Aufwand begingen Institutionen wie die Uni, die Volkshochschule und die Jüdische Gemeinde das 60. Jubiläum des Jüdischen Staates. Eine Redakteurin der „Bonjour Tristesse“ hörte sich auf dem „Israeltag“ um.
Eine Mitarbeiterin der Volkshochschule bekannte sich zu ihrer großen Liebe namens „Israel“ und war stolz auf die schon absolvierten Semester Hebräisch. Junge Studentinnen der Nahoststudien beklagten das Fehlen eines Falafelstandes – er wäre ein Schritt in Richtung „Völkerverständigung“ gewesen. Fragt sich bloß, wer sich auf dem hallischen Marktplatz über was verständigen soll. Der Hauptveranstalter, die „Deutsch-Israelische Gesellschaft“, verkaufte Gewürze, Humus- und Falafelmehl. Ihr Vorsitzender Detlef Haupt bedauerte, dass es keine „kritischen“ Stände auf dem „Israeltag“ gäbe. Das „arabische Haus“ sei angefragt worden, aber aus irgendwelchen Gründen wollte sich dann doch keiner auf einer Veranstaltung präsentieren, die den Jüdischen Staat feiert. Die kritische Position übernahmen derweil junge Christen: Auf Aufstellern zeigte die Evangelische Studentengemeinde Reisefotos. Zwei Bilder sollten beweisen, dass es „auf beiden Seiten Täter und Opfer gibt“. Die Fotos zeigten jeweils einen Gedenkort: einen in Bethlehem für erschossene Palästinenser und einen anderen in Jerusalem für die Jungen, die Anfang März in der Talmud-Schule getötet wurden. Gewaltspirale, ganz klar.
Nur wenige Passanten blieben mit ihrer Bratwurst stehen und beschauten sich die Auslagen der Stände. Lediglich einer wollte sich über das Land unterhalten, das die „Palästinenser verdrängt hat“. Jedes „Volk“ bräuchte einen Platz auf der Erde. Aber wir Deutschen, ja wir, könnten nichts sagen. „Wegen der Geschichte. Obwohl selbst unsere Großeltern damals noch Kinder waren.“ Der Mann verabschiedete sich und aß seine Bratwurst weiter. Zwei, drei Kinder kamen der wiederholten Aufforderung der Leiterin des Frauenchores „Miss Klang(!)“ nach, mit den Sängerinnen im Kreis zu hüpfen und dabei das hebräische Lied „Hava Nagila“ – Lasst uns glücklich sein – zu trällern. Sie mussten noch tanzen, als die ersten Bänke eingeräumt wurden. Ein Glück! Der Israeltag der Hallenser – mit Folklore und Gewaltspirale – war zu Ende gegangen.
Nichts als Nakba
Am 15. Mai, also einen Tag nach dem 60. Jahrestag der Gründung Israels, führte der hallische Verein „El-Bait El-Arabi/ Das Arabische Haus” eine Kundgebung auf dem Marktplatz durch. Das Motto beinhaltete keine Geburtstagsgrüße an den jüdischen Staat, sondern es lautete „60 Jahre Israel – 60 Jahre Besatzung”. Auf einer großen Karte wurden angeblich von Israel zerstörte palästinensische Städte und Dörfer markiert. Die Kundgebungsteilnehmer brachten mehrere Palästinafahnen und etliche Palästinensertücher mit, die sie sogar Kindern um den Hals wickelten. Immer, wenn arabische Gruppen Lobbyarbeit für die PLO oder die Hamas – also gegen Israel – betreiben, hat man den Eindruck, dass alles aus einem vorgefertigten Baukasten zusammengeschustert wurde. Auch wenn man den auf der Kundgebung verteilten Flyer liest, glaubt man ein Déjà-vu zu haben, so altbekannt ist die „Argumentation“. Es ist die immergleiche Litanei: Die Gründung des Staates der Juden wird als „Nakba“ (gleich: die große Katastrophe) empfunden, der junge Staat unterdrücke das friedliebende palästinensische Volk und stehle diesem das Land. Die israelische Sicherheitsmauer diene nicht etwa dem Schutz vor Suicide Bombers, sondern ausschließlich der Unterdrückung der Araber, und Israel solle das besetzte Land aufgeben. Um sich des Eindruckes zu erwehren, man betreibe antisemitische Propaganda, wird mit Felicia Langer, wie in solchen Pamphleten üblich, eine Alibi-Jüdin zitiert. Nicht fehlen darf – neben dem obligatorischen Israel-Boykott-Aufruf (der moderne Ausdruck von: „Kauft nicht bei Juden“) – die Forderung nach dem Rückkehrrecht der so genannten Flüchtlinge. Da der Flüchtlingsstatus der Palästinenser offenbar vererbt wird, sinnieren selbst fünfjährige Kinder, deren Großeltern 1948 das neugegründete Israel verließen, über ihr herzbrechendes Dasein als Vertriebene und den Verlust ihrer Identität. Selbstverständlich ohne jemals auch nur einen Schritt in die „alte Heimat“ gesetzt zu haben. Die Palästinenser argumentieren dabei ähnlich wie die Landsmannschaften der Sudetendeutschen, die mit „Blut-und-Boden“-Rhetorik auch nach Jahrzehnten noch Landansprüche stellen. Dank der hohen Fertilitätsrate der palästinensischen Bevölkerung ist die Zahl der „Flüchtlinge“ palästinensischen Angaben zufolge mittlerweile auf 5,2 Millionen Menschen angewachsen und hat sich damit – ohne dass auch nur ein Israeli einen Finger gekrümmt hätte – vervielfacht. Unter dem Deckmantel der Humanität das faktische Ende Israels zu fordern, ist offenbar nicht die einzige Spezialität des im hallischen Multi-Kulti-Milieu angesehenen Vereins. Schon vor einiger Zeit beteiligten sich Mitglieder an einer Solidaritätsbekundung für den „irakischen Widerstand“, gemeint waren die Terroranschläge auf US-Truppen und irakische „Kollaborateure“. Dass Israel gute Gründe für die Sicherheitsmauer hat, dass die Mehrzahl der Palästinenser nicht neben, sondern ohne einen jüdischen Staat und – besser noch – ohne Juden leben möchte, dass sich die Juden, seit sie sich in der Region ansiedelten, fortwährend arabischen Angriffen ausgesetzt sahen, hält das „Arabische Haus“ nicht für erwähnenswert. Ebenfalls unwichtig für die Feinde Israels ist, dass nur einen Tag vor dieser Kundgebung aus dem Gazastreifen erneut eine Kassam-Rakete auf die israelische Stadt Ashkelon abgefeuert wurde, bei der ein Mensch starb und dutzende verletzt wurden. Aber die große Katastrophe erleiden schließlich nur die Palästinenser.
Volksmusik
Zum wiederholten Male veranstaltete der Hallenser Uwe Nolte Konzerte mit Bands aus dem Spektrum des neurechten Neofolks in der „Tanzbar Palette“. Am 23. Februar spielte er mit seinem Bandprojekt „Barbitus“ selbst, am 23. März organisierte er ein Konzert mit „Sol Invictus“, dem Projekt von Tony Wakeford, und am 30. April mit „Fire & Ice“ von Ian Read.
Nolte, Read und Wakeford ist gemeinsam, dass sie Wurzeln in der organisierten rechten Szene haben. Nolte war befreundet mit der hallischen Nazigröße Sven Liebich und stand mit einem T-Shirt der wohl bekanntesten Naziband „Screwdriver“ Modell für dessen Versand „Strikeback“. Wakeford war aktives Mitglied der englischen Nazipartei „National Front“ und bis 1984 gemeinsam mit Read Teil der Naziband „Death in June“. Danach spielten beide zusammen mit dem Bassisten von „Screwdriver“ das Projekt „Above the Ruins“ ein, welches auf dem europaweit größten Rechtsrock-Label „Rock`O`Rama“ veröffentlicht wurde. Als er in auf den Nationalsozialismus angesprochen wurde, erklärte Read 1991 in einem Interview: „Keine Idee ist völlig wertlos“.
Allen Dreien ist außerdem gemeinsam, dass sie sich mittlerweile gerne von dieser Vergangenheit distanziert sehen wollen. Trotzdem beziehen sie sich auch weiterhin positiv auf faschistische Ideologen wie Julius Evola und Ernst Jünger. Konsequenterweise bedienen sie sich regelmäßig faschistoider Ästhetik und verklären diese als großartige Kunst. So beteiligte sich Nolte 1996 mit seiner früheren Band „Rückrat“ an einem Leni Riefenstahl gewidmeten Sampler und 1998 mit seiner neuen Band „Orplid” an einem Sampler zu Ehren des hundertsten Geburtstags von Julius Evola. Der Bandname „Sol Invictus“ ist eine Anlehnung an die von Evola häufig benutzte Metapher der unbesiegbaren Sonne. In den Texten und Interviews der drei finden sich immer wieder Aussagen, wie sie auch von faschistischen Ideologen gepredigt werden. So wurde das erste Album von „Sol Invictus“ – „Against the Modern World“ – nach Evolas Werk „Revolte gegen die moderne Welt“ benannt. Nolte sieht bereits überall „die Vorzeichen der Apokalypse“, wie er 2005 in einem Interview angab. Als Gegenmodell zur verhassten Moderne sprechen sie sich im Geiste Evolas für eine geistige Elite aus, die selbstverständlich in einer germanischen Tradition stehen soll. So meinte Read 1997: „Übermenschen denken für sich selbst ohne Angst […]. Ihre Willen sind stark und unabhängig. [...] Solche Männer werden nicht solchen Trends wie political correctness folgen. [...] Untermenschen mangelt es an all diesen Qualitäten.“ Natürlich sehen sich die drei Schöngeister selbst gern als Teil dieser Elite an, und so ist sich Nolte längst im Klaren darüber, „mit Barbitus noch mal das Schwert gezückt und [sich] somit einen gemütlichen Barhocker in Walhalla reserviert“ zu haben. Dass dieser Satz nicht zu Unrecht an das Bekennerschreiben eines palästinensischen Selbstmordattentäters erinnert, beweist Nolte, als er in einem anderen Interview die für ihn „erhabene Szene“ aus dem Film „Herr der Ringe“ zitiert: „Das Horn Helm Hammerhands soll erschallen in der Klamm; ein allerletztes Mal. Dies möge die Stunde sein, da wir gemeinsam Schwerter ziehen. Grimme Taten erwachet. Auf zu Zorn, auf zu Verderben.“ Ernst Jünger hätte den angeblich tugendhaften Tod im Kampf gegen die Moderne nicht besser beschreiben können.
Während nun in anderen Orten Konzerte mit diesen Bands auf Grund ihrer faschistoiden Ansichten abgesagt wurden, störten sich in Halle weder die Betreiber der „Tanzbar Palette“ noch die Öffentlichkeit daran, dass neurechte Ideologen in einem der bekanntesten Clubs Halles ungestört ihre Ideen mit einem rechts aufgeschlossenen Publikum teilen können. Lediglich in den zwei unbedeutenden Internetforen von „Radio Corax“ und „Indymedia“ meldeten sich Gegner dieser Veranstaltungen zu Wort. Dies geschah jedoch nicht ohne die üblichen Abwehrreaktionen der kritisierten Klientel und die verständnisvollen Kommentare von Menschen, die immer noch glauben wollen, um Nazi zu sein, müsse man Glatze tragen und nachts mit Baseballschläger „Heil Hitler“ rufend durch die Stadt ziehen. Offensichtlich stört sich in Halle niemand an Naziideen im Tarnkleid der Kunst.
Der Osten lebt
Nur einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass niemand zu Schaden kam, als vier Jugendliche im April im sachsen-anhaltinischen Lodersleben versuchten, eine Unterkunft anzuzünden, in der polnische Erntehelfer untergebracht waren. Die Täter warfen in der Nacht auf den 27. April einen Brandsatz in das Gebäude. Da sich dieser nicht entzündete und man nicht unverrichteter Dinge abziehen wollte, kletterte einer der Beteiligten in die Baracke, um doch noch das Feuer zu legen. Auch wenn letztendlich keiner der dort gerade schlafenden Menschen verletzt wurde, war die Tötungsabsicht eindeutig. So eindeutig sogar, dass die kurz darauf gestellten Täter wegen des Verdachts des versuchten Mordes – und nicht, wie so häufig in solchen Fällen, wegen Brandstiftung – in Untersuchungshaft kamen. In Lodersleben, das in der Nähe der Kleinstadt Querfurt liegt, löste die Tat, wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtete, „Empörung und Ratlosigkeit“ aus. Die Täter kämen aus intakten Familien, zwei von ihnen würden zur Schule gehen und einer beginne derzeit eine Ausbildung. Zwei der Brandstifter wären zusätzlich in die örtlichen Feuerwehr integriert. Dort habe niemand „rechtsextremes Gedankengut […] bemerkt“. Wen wundert’s? Schließlich sind die Kameraden der Dorffeuerwehren insbesondere dafür bekannt, Rassismus frühzeitig zu erkennen und konsequent zu bekämpfen.
Auch der alternative Verfassungsschutz sah sich nach der Tat genötigt, aktiv zu werden: Die „Arbeitsstelle Rechtsextremismus“ des „Miteinander e.V.“ „beobachtet die Region Querfurt schon lange“, vermeldete wenige Tage nach dem Brandanschlag die MZ. Ein Sprecher des Vereins berichtete von Nazi-Strukturen in Querfurt, wo es bereits mehrfach zu rechten Vorfällen gekommen sei. „Ob ein Zusammenhang mit den Tatverdächtigten aus Lodersleben besteht, werde derzeit geprüft“, erklärte er. Die „Ratlosigkeit“ der Dörfler und die Suche des „Miteinander e.V.“ nach bekennenden Nazis zeigt, wie sehr das Problem verkannt wird. Man kann offenbar nicht verstehen, dass einerseits weder die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr oder das Leben in einer intakten Familie gegen Rassismus immunisiert, noch dass andererseits die Mitgliedschaft in einer Nazigruppe keine Vorraussetzung für eine solche Tat sein muss. Vielmehr ist es eine Mischung aus stupiden, dörflichen Verhältnissen und ostzonaler „Wir-werden-nur-betrogen-und-belogen“-Mentalität, die immer wieder ein solch mörderisches Potential entfaltet, das sich zwar nicht unbedingt bei den einzigen Ausländern des Dorfes entladen muss, es aber dennoch regelmäßig tut.
Ich schieb’nen Film!
Sozialwissenschaftler zählen aus, was zur europäischen Identität gehört und was nicht. Sie geben Tipps, wie das Kollektivgefühl verstärkt werden könnte. Eben jene Forscher und auch Politiker dürften sich über den Nachwuchs freuen, der seinem Identitätsbestreben freien Lauf lässt und dieses sogar noch medial und szenisch umsetzt. Vier Studenten vom Department Medien- und Kommunikationswissenschaft in Halle organisierten im März diesen Jahres das „European Film Forum ‚co-produced’“. 20 „FilmemacherInnen“ aus Deutschland, Polen und Spanien sollten innerhalb von 24 Stunden zu einem nichts sagenden Motto einen Kurzfilm produzieren: „Europäische Klischees – Hier wissen alle alles über alle“. Nein, der Satz taugt noch nicht mal zum Zungenbrecher. Die Filmteams bestanden jeweils aus vier Leuten, die aus zwei Ländern kamen. Ziel war der „europäische Austausch“. Das Konzept hört sich nach der Anleitung eines Gesellschaftsspiels an, bei dem Zeit und Zusammensetzung der Teams vorgegeben sind. (Bei Langeweile sollte man vielleicht doch lieber zu „Tabu“ o.ä. greifen, als im Kino mit fix zusammen gebastelten Filmen schlechte Laune zu verbreiten.) Europa sprang dabei aus jeder Ecke des Festivals: Europäer als Filmthema, als Filmschaffende, als Statisten und Europa als Kulisse. „Europäischer Austausch“ heißt nichts anderes, als dass die Filmemacher jeweils Vertreter einer Nation sind und sich mit „Kollegen“ einer anderen Nation über Nationen unterhalten. Und über Europa. Und über diese Befindlichkeiten schließlich ein Filmchen drehen. Schön langweiliger Identitätsmüll!
„Waffen deutschen Geistes“
Stolz verkündete der „Nationale Beobachter“, eine hallische Neonazihomepage, Ende April die Gründung der „nationalistischen Studentengruppe ‚Freies Denken’“ an der Uni Halle. Man wolle, so die Initiatoren in einem kurzen Text, „dem vorherrschenden Zeitgeist […] entgegenwirken“ und „interessierte Nationalisten vereinen“. Parallel dazu durfte der bis vor kurzem in Halle studierende Vorsitzende der NPD Jugendorganisation JN (Junge Nationaldemokraten) Michael Schäfer vom Hochglanzpapier des „Zeit Campus“ (Nr. 3; Mai/Juni 200 grinsen. Schäfer empfahl sich in dem Artikel („Welcher ist der Nazi?“), in dem es um die neuerlichen Bemühungen der NPD Studenten zu gewinnen geht, als der „nette Nazi“ – obgleich seine Aussagen wohl gerade deshalb als der willkommene Background zum periodisch wiederkehrenden Anti-Nazi-Alarm dienen. Es gibt nicht viele Neonazis, die es verstehen in ganzen Sätzen zu sprechen, und auch in der Studentengruppe „Freies Denken“ scheint Sprachbeherrschung nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. (Berechnet man die Rechtschreib- und Grammatikfehler im o. g. Text nach den Bewertungsmaßstäben der 9. Klasse, ergäbe sich dadurch die Schulnote 4.)
Glücklicherweise ist die Neonaziszene nicht nur wegen der meist sicht- und hörbaren sprachlichen Mängel von einer „Intellektualisierung“, die „Zeit Campus“ entdeckt haben will, genauso weit entfernt, wie von einer baldigen Machtübernahme. Angesichts einer nicht zu übersehenden Anzahl von Volltrotteln an deutschen Unis ist auch die Anwesenheit von Nazis nicht weiter verwunderlich. Aus einer Handvoll Bachelor-Studenten eine „Intellektualisierung“ des Rechtsextremismus abzuleiten, ist ein genauso argumentativer Griff ins Klo, wie sämtlichen Akademikern zu unterstellen, sie seien gebildete Leute. Allein die Kluft, die zwischen „eloquenten Argumentierern“, wie Schäfer laut „Zeit Campus“ einer sein soll, und den hakenkreuztätowierten Nachkommen ostzonaler RTL2-Familien besteht, macht aus einem Durchschnittstypen noch keinen Intellektuellen. Sein rasanter Aufstieg – vom Plakatmaler der „Wernigeröder Aktionsfront“ zum Vorsitzenden der größten deutschen neonazistischen Jugendorganisation – zeigt vielmehr, auf welchem erbärmlichen Niveau sich die deutsche Neonaziszene befindet.
In einer Zeit, in der sich die deutschen Massen nicht zur Revolution unter dem Banner des „nationalen Widerstandes“ mobilisieren lassen, in der selbst die „Zeit“ als eine der auflagenstärksten Zeitungen der BRD ihren meist gutbürgerlichen Abonnenten Anti-Nazi-Poster beilegt, und die meisten Studenten beim Anblick national gesinnter Kameraden nur die Nase rümpfen, ist es für waschechte Vollzeitnazis tatsächlich nicht einfach, mit dieser allgemeinen Aversion umzugehen. Gesprächsrunden im kleinen Kreis bieten dabei Ausgleich und Abwechslung von der eintönigen Agitation und den meist langweiligen Demonstrationen in kleinstädtischer Einöde. Hier, in der „Studentengruppe ‚Freies Denken’“, finden die Kameraden die ansonsten vermisste Wärme („integrative Solidargemeinschaft“), den Austausch über die kleinen und großen Probleme des Lebens („Hilfestellung beim Studieren“; „Repressionen an nationalen Studenten“) und die Versicherung, mit ihrem eigenartigen Spleen („geistigen Kräfte eines vierten Deutschlands“) doch nicht ganz allein zu sein („Sammelstelle studierender Nationalisten“). Wir wünschen dem Therapiekreis viel Erfolg und baldige Genesung!
Wenn der Schutzmann ums Eck kommt
Jugendorganisationen großer Parteien neigen dazu, die Ansichten der Mutterpartei radikaler, forscher und auf gewisse Weise unbeschwerter zu artikulieren. So richtig ernst nimmt sie niemand. Um wirklich Gehör zu finden, müssen die „jungen Wilden“, wie sie in jedem dritten Presseartikel genannt werden, schwerere Geschütze auffahren, als lediglich ermüdende Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die auch auf die „große Politik“ zutreffende Regel, dass, je unbedeutender ein Politiker ist, desto größer der Unfug sein muss, um wunschgemäß wahrgenommen zu werden, bewahrheitete sich in Halle im Frühjahr ein weiteres Mal.
Stefan Schulz, Kreisvorsitzender der nicht mehr ganz so jungen CDU-Nachwuchstruppe „Junge Union“ (in der man, wie früher in der FDJ, bis zum 35. Lebensjahr als „Jugendlicher“ gilt), schlug im April in einer von Schreibfehlern durchsetzten Presseerklärung vor, eine „Bürgerwehr zur Graffiti- und Vandalismusbekämpfung“ zu gründen. Halle sei „Graffiti-Hochburg Mitteldeutschlands“ und die illegalen Graffiti beeinträchtigten „das Ansehen unserer Stadt über ihre Grenzen hinaus“. Schuld an allem sei – natürlich, was soll er sonst auch sagen – die hallische Oberbürgermeisterin. Die von Schulz der Bürgerwehr zugedachte Aufgabe soll es sein, „dass Bürger der Stadt durch die Schwerpunktviertel und Straßen gehen, um eventuelle Schmierer abzuschrecken, ggf. Täter, bis zum Eintreffen der Polizei, zu stellen“, sowie „verwertbare Zeugenaussagen vor Gericht zu liefern“. Nun hat Stefan Schulz, zumindest was die zählbaren Jahre angeht, das Jugendalter lange hinter sich gelassen. Er könnte sich an seinem langweiligen Leben samt seines sicheren Arbeitsplatzes beim örtlichen Arbeitsamt erfreuen. Aber Stefan will hoch hinaus. Und wer groß rauskommen möchte, muss eben auch mal ordentlich auf den Putz hauen. Damit auch jeder versteht, dass die Welt ohne ihn und die „Junge Union“ am Abgrund steht, geht der populistische Unfug weiter: „Nur eine große Präsenz von freiwilligem Ordnungspersonal kann die Graffitiszene noch zurückdrängen.“ Und: „Die Graffiti-Szene wird nur einlenken, wenn sie die Bürgerwut zu spüren bekommt!“
Wer so etwas schreibt, wer bewaffnete Blockwarte fordert – welche Graffiti-Gang würde sich schon von unbewaffneten Mittfünfzigern oder einem übergewichtigen Schweinchengesicht „stellen“ lassen – und Jugendlichen, in deren Taschen eine Farbdose klappert, den Volksmob („Bürgerwut“) an den Hals wünscht, hat, freundlich formuliert, die Funktionsweise rechtsstaatlicher Gewaltenteilung nicht verstanden. Bei aller Kritik am deutschen Staatswesen und seinen Zurichtungen: Die Forderung Schulzes nach paramilitärischen Greiftrupps trachtet nach der Abschaffung genau des wenigen Verteidigungswerten, das der bürgerliche Rechtsstaat – im Gegensatz zur in vielen Teilen der Erde üblichen Racketherrschaft – seinen Bürgern zusichert. Schulzes Verfolgungsbedürfnis, seine Sehnsucht nach Autorität und Volkssturm lässt tiefe Blicke in den Seelenhaushalt des Politikers zu. Denn wer das Bemalen von Stromkästen, Häuserwänden oder Mülltonnen mit faschistoiden Methoden bekämpfen will, macht entweder schon zu lange Lokalpolitik oder hat ordentlich einen an der Waffel. Vielleicht auch beides.
hübsch, das ding übern schulz. bei der armutsagentur ist der? nochn grund mehr, ihn einzuseifen.
Wenn man eure wirklich gelungene Zeitung so liest, drängen sich zwei Fragen auf:
1. Wie hält man es in so einem vorzivilisatorischen Kacknest länger als 5 Minuten aus?
2. Warum wohnt ihr da immer noch?
Das beste Mittel gegen Graffiti ist, sie sofort zu entfernen.
Dies sei hiermit jedem geraten.
1. Wie hält man es in so einem vorzivilisatorischen Kacknest länger als 5 Minuten aus?
jahrelange übung und ne menge sportsgeist
2. Warum wohnt ihr da immer noch?
is nich so teuer wie im westen.
1. a)…ist das vorzivilisatorische nest prototypisch für eine entwicklung, die in anderen gegenden entweder schon weiter fortgeschritten ist (magdeburg), oder -falls nicht- alles dafür tut, den bisherigen abstand wettzumachen (leipzig,berlin…).
b)…es spass macht, dem pack ans bein zu pinkeln.
2. dachterrasse. 24h-edeka.
der antisemitismus ist ein eingeschliffenes ritual der zivilisation (dda, s. 180). mit „vorzivilisatorisch“ hat das nicht das geringste zu tun, auch wenn’s gut klingt und man sich, wenn man so daherquatscht, so unglaublich „zivilisiert“ fühlen kann.
Toll, dass du deinen Senf dazu gibst. Leider hat niemand behauptet, dass der Antisemitismus irgendetwas „vorzivilisatorisches“ sei. Aber schön, wenn`s gut klingt und man sich, wenn man so daherschreibt, so unglaublich „kritisch“ fühlen kann.
–> es sollte ein hinweis drauf sein, dass die rede von der „zivilisation“ in der regel eine affirmative ist. nicht mehr, nicht weniger.
„es sollte ein hinweis drauf sein, dass die rede von der “zivilisation” in der regel eine affirmative ist. nicht mehr, nicht weniger.“
1. Das ich die „Zivilisation“ affirmiere ist ne Unterstellung
2. Und was ist so verkehrt daran bürgerlichen Verkehrsformen(denen tatsächlich ein zivilisatorisches Moment inne wohnt), dem Leben in einer Stadt vorzuziehen, wo es Menschen für ihr gutes Recht halten einfach jeden tot zu schlagen der nicht in ihr Weltbild passt?
du übst dich nicht in affirmation der „zivilisation“, willst aber in ner „zivilisierten“ gegend wohnen?
und wie kommste drauf, dass es gegenden in europa (oder auch sonstwo) gäbe, in denen die „bürgerlichen verkehrsformen“ nicht etabliert sind? verreckste jetzt in dem kaff nicht, wennste die „freiheit“ nicht nützt, deine arbeitskraft zu verkaufen, oder wie? –> auch ne art von totschlag.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich schrieb:
„bürgerlichen Verkehrsformen(denen tatsächlich ein zivilisatorisches Moment inne wohnt)“
Wo ist die Gleichsetzung? Ich habe lediglich formuliert, dass es Gegenden gibt, (auch in Deutschland) in denen es sich besser wohnen lässt als in der Zone (in diesem Fall Halle). So wo ist dein Problem? Ich weiß nicht ob du deine Zonenscholle schon mal verlassen hast. Wenn ja wüsstest du das dem so ist.
An Leuten wie dir merkt man mal wieder, dass Antifa im Osten nichts anderes als linker Heimatschutz ist!
an mir merkt man was? – ich komm nicht mal aus deutschland, kannst deinen „linken heimatschutz“ daher ruhig stecken lassen.
Hab ich jetzt einen Rassismusvorwurf?
hä? nein, ich hab mich nicht auf rassismus- und antisemitismusvorwürfe spezialisiert. sorry.
Zu „Folklore in Blau-Weiß“
Ein bißchen mehr hättet Ihr schon am 8. Mai zum Thema Israel rings um den Marktplatz sehen und erleben können: Niemand von Euch bei der Ausstellungseröffnung im Rathaus? Wer hat denn da auf dem Marktplatz nur die Uni, Volkshochschule und die Jüdischen Gemeinden (falls es sich noch nicht herumgesprochen hat: in Halle gibt es zwei jüdische Gemeinden!) gesehen? Und beim Stand der DIG nur Humus, Gewürze und dergleichen? War die liebe junge Dame nic ht bis zur POdiumsdiskussion dabei, auch nicht am Abend?
Und vor allem: warum habt Ihr Euch nicht selbst mit einem Stand beteiligt und öffentlich für Israerl Position bezogen??
MItmachen ist allemal besser, als nur hämische Kritik!
Sehr geehrter Herr Haupt,
es tut uns sehr leid, dass unser kleiner Artikel nicht ihren Geschmack getroffen hat. Das war – zugegebenermaßen – auch beabsichtigt.
Wer wie Sie, „der Ausgewogenheit halber“, am 60. Geburtstag Israels Halles glühendste Antisemiten von „El-Bait El-Arabi/ Das Arabische Haus“ dabeihaben möchte, und nicht davor zurückschreckt, den permanten Ausnahmezustand, den dieser Staat seit seiner Gründung durchlebt, genauso unerwähnt zu lassen wie die existenzielle Bedrohung durch den Iran, und stattdessen mit Humusmehl, Volkstänzen und orientalischen Gewürzen die Folklorekarte zieht, ist – mit Verlaub – kein Freund Israels, sondern das Gegenteil.
Und wer jene hofiert, die dafür die Verantwortung tragen, nämlich Old Europe mit seinem Appeasement gegenüber den Arabischen Staaten und Iran, und dieses schändliche Tun noch mit einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Die
Verantwortung Europas für Sicherheit und Frieden im Nahen
Osten“ garniert, ohne genau darauf hinzuweisen, das Israels Situation nicht zuletzt auf genau diese Politik zurückzuführen ist, dem geht es offenbar um nichts anderes als um „Folklore Blau-Weiß“ und regelmäßige Wellnesskuren am Toten Meer.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Beier
PS: Darüber, dass „Mitmachen“ immer noch besser sei als „Kritik“, sollten Sie nochmal nachdenken. Na, klimperts?
respekt. habt euch ja durchaus gesteigert. verglichen mit der ersten ausgabe, die eher wie eine ich-bin-gefrustet-und-pisse-alle-an-die-mir-nicht-passen-unter-einem-politischen-deckmantel heftchen daherkam. nur frage ich mich nach wie vor, weshalb ihr in euren artikeln stets versucht oberflächlichkeiten, wie rechtschreibschwäche und besonders, für euer ästhetikverständnis, beschissenes körperliches erscheinungsbild in die diffamierung offensichtlich halbwissengesteuerter idioten einfliessen lasst. schwächt aus meiner sicht die kritik nur ab (siehe satz 2) und hinterläßt den faden beigeschmack, dass die sozialisation in der gutbürgerlichen wir-werden-alle-belogen-und-betrogen gesellschaft doch nicht spurlos an euch vorbeigegangen ist.
gegen eine person, die sich bemüht, was auf die füße zu stellen, in nem ps noch einen ns-vorwurf nachzuschieben, ist ziemlich „frech“, ums mal so zu nennen.
die zwei jüdischen gemeinden haben „mitgemacht“ – „klimpert’s“?
aber ich nehme sicher nicht zu unrecht an, dass es der dig-halle auch zum vorwurf gemacht wird, nen palästinensischen kindergarten zu unterstützen (da bastelt jedes kleinkind an ner kassam!)?
Hallo Laura,
es ist schon eine arge Leistung, in dem „P.S.“ an Herrn Haupt einen NS-Vorwurf zu erkennen. Aber wenn das Deine Assoziationen sind, dann ist das eben so.
Und der Hinweis, dass die Jüdische und die Synagogengemeinde an der Veranstaltung beteiligt waren, geht an der Sache vorbei. Es ging in Manfred Beiers Nachtrag nicht um die bloße Beteiligung – wer das tun will, soll das tun. Sondern es ging darum, dass Haupt das „Mitmachen“ im allgemeinen gegen Kritik stark machen wollte.
@bt: angesichts dessen, dass es zur dig heisst, dass sie „kein Freund Israels, sondern das Gegenteil“ (=Feind) sei, ist meine PS-Interpretationsleistung gar nicht soooo arg.
„klimpert’s“?
man kann die aktuelle ausgabe nur so beurteilen: nullnummer.
aly-gejubel in totalitarismustheoretischer manier, möller-gekotze in totalitarismustheoretischer manier bei kompletter verstümmelung marxens theorie und mißbräucherlicher verwendung seiner erörterungen zur kolonialisierung indiens. peinliche „kritik“ zum israeltag und ns-vorwürfe zum abwinken. copy-paste von lizas welt. etc.
keine frage, in (post)ad-kreisen wird das heftchen einen erfolg feiern können. ich gratuliere!
Das Heft, ich habe es gerade gelesen, ist, was es meiner ehrlichen Meinung nach wirklich ist; Scheiße! Versucht doch wenigstens erstmal euer Studium einigermaßen über die Bühne zu bringen, sonst wird aus diesem Wurstblatt nie mehr als langweilige Klolektüre werden.
Danke für deine lieben Worte.
Unser Heft ist vegan, wenn nicht gar straight edge und kann schon deshalb nur unter großen Verdrängungsleistungen ein „Wurstblatt“ genannt werden. Ich bitte Dich, das nochmal zu überdenken. Außerdem studieren wir gar nicht. Andreas arbeitet in einer Pommesbude, Knut ist arbeitsloser Alkoholiker und mir liegt still sitzen auch nicht gerade. Die Biografien der anderen Redakteure erspare ich dir. Aber schön, dass dir das Heft nicht gefällt. Sonst müssten wir wohl etwas ändern.
Liebe Grüße.
Manfred