Es macht nicht immer Spaß, Recht zu behalten. Als Reaktion auf Andreas Reschkes Artikel über die Homophobie und die steigende Verrohung der hallischen Hip-Hop-Szene in der letzten Ausgabe der „Bonjour Tristesse“ legte sich ein Teil der hiesigen Rapgemeinde im Frühjahr mächtig ins Zeug. Er unterfütterte empirisch die von Reschke geübte Kritik mit reichlich Material. Auf „hiphophalle.de“, dem hiesigen Internetforum für Freunde von „Flows“ und „Rhymes“, ließen einige Protagonisten ihren Verfolgungs- und Gewaltphantasien freien Lauf, in dem sie beispielsweise Andreas Reschke bedrohten oder Recherchen unternahmen, um seinen Wohn- und Arbeitsplatz zu ermitteln. Dabei zeigte sich erneut, dass der Autor mit seiner Aussage über die Gemeinsamkeiten einiger Szenemitglieder mit gewöhnlichen Nazischlägern durchaus recht hatte. Im Vorfeld einer Diskussionsveranstaltung der „AG Antifa im Stura“ (Tjark Kunstreich sprach dort im April über den Zusammenhang von Schwulenhass und männerbündischer Sehnsucht im Hip-Hop) trat dann so richtig zu Tage, was in ihnen steckt. Im Stile faschistischer Schlägertrupps wurde zur Störung der Vortragsveranstaltung aufgerufen, und einige User machten ihren Vernichtungswünschen unverhohlen Luft. Dass lediglich ein einziges Forumsmitglied das Recht auf die freie Wahl von Sexualpartnern stark machte und entsetzt und nachdrücklich Widerspruch gegen Statements wie „Alle Schwulen vergasen!“ oder „Emos, Schwule … gehört alles abgestochen!“ einlegte, beweist vor allem eines: Es sind die wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
In der letzten Ausgabe berichteten wir über die hallische Kampfsportveranstaltung „Die Nacht, die kracht“. Angesichts des Publikums und zahlreicher Zwischenrufe lautete unser Urteil: „Jeder NPD-Aufmarsch dürfte harmloser sein als eine ‚hallische Kampfnacht’.“ Im Internetforum „halleforum.de“ machte der Boxer Steve Krökel, Star dieser „Kampfnacht“, seinem Ärger über uns folgendermaßen Luft: „Habe dies über die Hallesche Kampfnacht gerade gelesen, ich werde mich darüber informieren wer diesen Titel bei euch rein gesetzt hat, und dann werde ich Anzeige erstatten, es ist eine Bodenlose Frechheit über meinen Namen so zu hetzen, da ich nicht Rechtsextrem bin, sowie mein Freundkreis auch nicht. Mit Freundlichen Grüßen Steve Krökel. P.S. Ich werde auch Wahrscheinlich Anzeige erstatten gegen diese Namen die, die Seite veröffentlich hat.“ (Orthographie und Grammatik wie im Original.) Entspannt konnten wir uns zurücklehnen, auf den Hinweis, Krökel zu keinem Zeitpunkt als Nazi bezeichnet zu haben, verzichten und feststellen, dass es Forumnutzer gab, die unseren Job machten. Und das noch nicht mal schlecht. So richtete beispielsweise ein User die Frage an Herrn Krökel, auf welcher Rechtsgrundlage er denn bitteschön Anzeige gegen uns erstatten möchte und schlug ihm „§5654 Abs.3 StGB“ vor: „Es ist verboten, Steve Krökels Namen in Verbindung mit jeglichen Schlechtigkeiten dieser Welt zu erwähnen. Bei Zuwiderhandlung erfolgt ein unmittelbarer Vollkontakt. Auf richtige Rechtschreibung und Grammatik wird wegen der Wichtigkeit des unmittelbar in Kraft tretenden Urteils verzichtet.“ Und ein weiterer User machte dem Kloppsportler mit folgenden Worten Mut: „Na dann zeig mal die Namen an! Aber nichts anderes! Vielleicht kannst du auch nur die Nachnamen anzeigen, da werden die sich bestimmt ärgern. Da ist dein Name wieder fröhlich, über den so gehetzt wird. Vielleicht vertragen sich dann die Namen wieder so richtig toll.“ Dem haben selbst wir nichts mehr hinzuzufügen.